Seiltänzer
Namen sind nur Schall und Rauch? Mag sein, im vorliegenden Fall ist das anders. Die Helden dieses «fantastischen» Romans, für den E. T. A. Hoffmann und Bulgakow, Rabelais und Voltaire, Nabokov und Cortazár sowie einige andere bedeutende Novellisten Pate gestanden haben, tragen ihre Namen mit Bedacht, Würde – und vor allem mit einem gehörigen Schuss Ironie.
Was soll beispielsweise aus einem Gespann werden, das Skylla und Charybdis getauft wurde? Wie müssen sich Menschen fühlen, die Mopsos und Calcas heißen und bestenfalls als Parodie von Thomas Manns «Zauberberg»-Traumpaar Naphta/Settembrini taugen? Wer möchte schon gerne als ein Palindrom(us) durch die beste aller möglichen Welten laufen, sprich: beständig rückwärts, als spielender Ritter, der sich selbst nicht sieht? Wer Mô, Vilma oder Golondrina heißen (und im letzten Falle auch noch zur Sprachlosigkeit verdammt)? Wer so ahasvergleich unbehaust sein wie Sandrine (die wir aus «Kunststücke» bereits kennen)?
Sie alle sind leicht verrückte Schiffbrüchige des Lebens, erinnern in ihrer Physiognomie aber auch entfernt an Schumanns Davidsbündler: Seiltänzer, die tagein und vor allem tagaus an Nyx’, der Göttin der Nacht, Seite auf der ...
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Opernwelt April 2017
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 30
von Jürgen Otten
Seit vielen Jahren gilt Lawrence Brownlee als herausragender Spezialist für die italienische Oper des frühen 19. Jahrhunderts, für jene Werke, die oft allzu pauschal als «Belcanto-Repertoire» bezeichnet werden. Nach einem reinen Rossini-Album (siehe OW 3/2015) legt der Tenor jetzt eine Sammlung von Arien Bellinis und Donizettis vor, wiederum begleitet vom Orchester...
Zart schwebt die Musik durch den Raum: «One charming night», eine der berühmtesten Arien aus «The Fairy Queen». Doch plötzlich stampft das Orchester in wilden Rockrhythmen los. Aber es zerstört Purcells Poesie nicht ganz, holt sie nur auf die Erde zurück, füllt die Körperlosigkeit mit Fleisch. Solche Wechselwirkungen gibt es oft in Helmut Oehrings 2013 in Berlin...
«Chi a una sola è fedele verso l’altre è crudele», sagt Don Giovanni zu Beginn des zweiten Aktes zu Leporello: Wer einer einzigen treu bleibe, sei grausam zu allen anderen. Bei Seho Chang in Linz wirkt dies irgendwie drollig, denn der Koreaner ist von der Erscheinung her eher rundlich-knuddelig. Möglicherweise appelliert er an den Mutterinstinkt – ein nicht zu...
