Seiltänzer

Rolando Villazón schreibt mit «Lebenskünstler» seinen zweiten Roman

Namen sind nur Schall und Rauch? Mag sein, im vorliegenden Fall ist das anders. Die Helden dieses «fantastischen» Romans, für den E. T. A. Hoffmann und Bulgakow, Rabelais und Voltaire, Nabokov und Cortazár sowie einige andere bedeutende Novellisten Pate gestanden haben, tragen ihre Namen mit Bedacht, Würde – und vor allem mit einem gehörigen Schuss Ironie.

Was soll beispielsweise aus einem Gespann werden, das Skylla und Charybdis getauft wurde? Wie müssen sich Menschen fühlen, die Mopsos und Calcas heißen und bestenfalls als Parodie von Thomas Manns «Zauberberg»-Traumpaar Naphta/Settembrini taugen? Wer möchte schon gerne als ein Palindrom(us) durch die beste aller möglichen Welten laufen, sprich: beständig rückwärts, als spielender Ritter, der sich selbst nicht sieht? Wer Mô, Vilma oder Golondrina heißen (und im letzten Falle auch noch zur Sprachlosigkeit verdammt)? Wer so ahasvergleich unbehaust sein wie Sandrine (die wir aus «Kunststücke» bereits kennen)?

Sie alle sind leicht verrückte Schiffbrüchige des Lebens, erinnern in ihrer Physiognomie aber auch entfernt an Schumanns Davidsbündler: Seiltänzer, die tagein und vor allem tagaus an Nyx’, der Göttin der Nacht, Seite auf der ...

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Opernwelt April 2017
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 30
von Jürgen Otten

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