Seiltänzer

Rolando Villazón schreibt mit «Lebenskünstler» seinen zweiten Roman

Opernwelt - Logo

Namen sind nur Schall und Rauch? Mag sein, im vorliegenden Fall ist das anders. Die Helden dieses «fantastischen» Romans, für den E. T. A. Hoffmann und Bulgakow, Rabelais und Voltaire, Nabokov und Cortazár sowie einige andere bedeutende Novellisten Pate gestanden haben, tragen ihre Namen mit Bedacht, Würde – und vor allem mit einem gehörigen Schuss Ironie.

Was soll beispielsweise aus einem Gespann werden, das Skylla und Charybdis getauft wurde? Wie müssen sich Menschen fühlen, die Mopsos und Calcas heißen und bestenfalls als Parodie von Thomas Manns «Zauberberg»-Traumpaar Naphta/Settembrini taugen? Wer möchte schon gerne als ein Palindrom(us) durch die beste aller möglichen Welten laufen, sprich: beständig rückwärts, als spielender Ritter, der sich selbst nicht sieht? Wer Mô, Vilma oder Golondrina heißen (und im letzten Falle auch noch zur Sprachlosigkeit verdammt)? Wer so ahasvergleich unbehaust sein wie Sandrine (die wir aus «Kunststücke» bereits kennen)?

Sie alle sind leicht verrückte Schiffbrüchige des Lebens, erinnern in ihrer Physiognomie aber auch entfernt an Schumanns Davidsbündler: Seiltänzer, die tagein und vor allem tagaus an Nyx’, der Göttin der Nacht, Seite auf der ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2017
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 30
von Jürgen Otten

Weitere Beiträge
Vollblut

Nanu, was ist denn das? Den Besucher grüßt beim Betreten des Parketts ein sommerlich-heiterer Bühnenprospekt mit fröhlichen, Luftballons schwenkenden Kids auf der grünen Wiese. Wie ein Foto vom letzten Kindergeburtstag. Davor hocken Kinderdarsteller am Boden; wie sich dann herausstellt, sind es die Atridengeschwister Elektra, Chrysothemis, Orest und Iphigenie in...

Inkarnation des Belcanto

Mittwoch, 8. März. Ich sitze im Flugzeug Richtung Pesaro, jedoch zur falschen Jahreszeit. Es fühlt sich auch falsch an, denn normal herrscht Vorfreude auf unerhörte Belcanto-Schätze, Sänger-Entdeckungen und vor allem die Gesellschaft meines Freundes Alberto Zedda. Er, der das Pesaro Festival kreierte und seit je (beg-)leitet, steht heute ebenso für diese Stadt wie...

Auf 99 Jahre

Das Beste kam zum Schluss. Jedenfalls für den Hörer in Block J, Reihe 2, Platz 12, oben auf der gewellten Rang-Ellipse. Ein Stück für drei Klaviere, drei Harfen und drei Schlagzeuger von Pierre Boulez, «sur Incises». Hier mischte sich zu irisierend wogenden, explosiv-delikaten Gespinsten, was zuvor – bei Mozart (Es-Dur-Quartett KV 493) zum Beispiel oder bei...