Séance mit Wagner

Patrice Chéreau schickt Waltraud Meier im Pariser Louvre auf die Suche nach Isolde und ihren Schwestern

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Eine Frau nachts im Museum. Sie sitzt unter einem Murillo-Bild mit dem Tod Marias, über dem der Maler auf einer weiteren Leinwand deren Himmelfahrt gestaltet hat. Sie ist versunken in sich, in einem dunklen Mantel überm schlichtgrünen Kleid, krümmt sich auf einem altmodischen Stuhl zusammen, starrt ins Nichts. Wir starren auf sie, hinter einer Absperrung, im Louvre-Saal, der der spanischen Malerei gewidmet ist. Plötzlich hebt sie zu singen an. «In der Kindheit frühen Tagen, hört ich oft von Engeln sagen…» Ein Klavier klingt dazu von irgendwo.

Waltraud Meier, die große Wagner-Heroine, die sich hier ganz menschlich und verletzlich gibt, nimmt – nachdem sie die rote Absperrkordel hat fallen lassen – uns 120 Besucher mit auf eine nur 40-minütige, aber alptraumhaft intensive Reise durch den sonst verwaisten Pariser Bilderpalast an der Seine.

Waltraud Meier singt Wagners Wesendonck-Lieder. Aber natürlich nicht nur das. Sie verleibt sie sich ein, verwandelt sie, erweitert die fünf Stücke, entstanden 1857 im «Tristan»- und «Siegfried»-Umfeld, in hochneurotische Nervenendenmusik, chromatische Sehnsuchtklänge und in das Psychogramm einer Suchenden, sich Verlierenden. Aber sie spielt sie auch, ...

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Opernwelt Januar 2011
Rubrik: Magazin, Seite 64
von Manuel Brug

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