Schweres Gerät
Da draußen in der Ukraine ist noch immer Krieg. Nach mehr als einem Jahr erscheint bei so manchen Menschen die Dauerbetroffenheit darob schon etwas scheinheilig. Die Frage des Für und Wider in Sachen Panzerlieferungen von deutscher Seite spaltet die Gesellschaft. Umso undenkbarer erscheint die Möglichkeit einer rein affirmativen Inansichtnahme von «Kriegsgerät» auf den Bühnen dieser Welt.
Über den Schrecken des Zweiten Weltkrieges schreibt Adorno in seinen «Minima Moralia»: «Der Gedanke, daß nach diesem Krieg das Leben ‹normal› weitergehen oder gar die Kultur ‹wiederaufgebaut› werden könnte – als wäre nicht der Wiederaufbau von Kultur allein schon deren Negation –, ist idiotisch.»
Nicht minder unverantwortlich ist es wohl, eine Produktion von Giuseppe Verdis «I vespri siciliani» (1855) durchgehen zu lassen, die ganz offensichtlich vor dem Angriffskrieg auf die Ukraine konzipiert und schließlich durchgewunken wurde. (Nicht jeder kann mit dem Thema «Krieg» von der Bildebene her so virtuos und brutal ehrlich umgehen, wie Edward Berger, der Regisseur der zu Recht heuer gefeierten Remarque-Verfilmung «Im Westen nichts Neues».) So ist es aber nun am Teatro alla Scala geschehen. ...
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Opernwelt April 2023
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Arno Lücker
Genieflammen zucken da und dort […] Wenn Mozart nicht eine im Gewächshaus getriebene Pflanze ist, so muss er einer der größten Komponisten werden, die jemals gelebt haben.» Dies prophezeite der streitbare, selbst komponierende Journalist und Dichter Christian Friedrich Daniel Schubart 1775 in seiner «Deutschen Chronik» nach der Münchner Uraufführung von Mozarts «La...
Als zuletzt 2004 am Nürnberger Staatstheater «Die Großherzogin von Gerolstein» gespielt wurde, kam es zum Skandal. Im Zentrum standen seinerzeit der übergroße Phallus des Generals Bumm und eine Rakete, die unter US-amerikanischer Flagge durchs letzte Bild flog. Die USA hatten im Jahr zuvor den Irak überfallen, unter dem Vorwand, das Land besitze...
Als Bub erlebte Friedrich Cerha, 1926 in Wien geboren, den Österreichischen Bürgerkrieg. Es war 1934, Cerha war acht Jahre alt; sein Vater führte ihn über die «Schauplätze» des Krieges. Bleibende Eindrücke. Möglicherweise entstand hier der Vorsatz, es selbst besser zu machen. Anders, klüger. In dieser Zeit erhielt das Kind längst Geigenunterricht, und schon bald...
