Schwarze Wasser
Das Bild, man kann es nicht anders sagen, ist trostlos. Einsam und verlassen, im eleganten, schwarzglitzernden Kleid, die Haare halbhoch getürmt, hockt Katerina Ismailowa in der Dunkelheit vor dem Hintereingang eines Varieté-Theaters, begleitet nur vom elegischen Gesang der Soloklarinette, von sehnsüchtigen Violinen und zarten Flötenterzen, so als habe das Leben sie hier abgestellt.
Und mag man auch Boris Timofejewitsch, ihren tyrannischen Schwiegervater, noch nicht sehen, hören kann man ihn schon – in der knarzenden Linie des Fagotts über dem monoton stampfenden Streicher-Pizzicato, mit der die Klarinette unsanft aus dem Feld geräumt wird. Betrachtet man Katerina, scheint es, als würde jener Philosoph Recht behalten, der das Subjekt einmal als unrettbar verloren bezeichnete. Und zu allem Überfluss prangt über dem Portal des Varieté-Theaters auch noch das Gemälde jenes Mannes, dessen Schreckensherrschaft noch in die kleinsten (Kunst-)Stuben hineinreichte: Josef Wissarionowitsch Stalin.
Das spartanische Bühnenbild, das Mathis Neidhardt für das erste Bild von Schostakowitschs «Lady Macbeth von Mzensk» ins Theater Hagen gesetzt hat, ist nicht anders denn genial zu nennen. Und auch ...
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Opernwelt Juli 2024
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Jürgen Otten
Leporello, Don Giovannis emsig-empathischer, nur zuweilen sozial erboster Diener, kannte das Handy nicht. Er führte Buch. Und das so penibel, dass er imstande war, sämtliche Opfer des erotischen Vergifters aufzulisten. In seiner Register-Arie, die kaum zufällig in der Jagd-Tonart D-Dur steht, berichtet Leporello Donna Elvira en détail davon. In Italien waren es...
Diese Düsterkeit ist niederschmetternd. Nachdem Blut geflossen ist wie Wasser, nachdem verraten, betrogen und gemordet wurde, als gäbe es kein Morgen, nachdem Anführer und Herrscher aufstiegen und wieder aus dem Weg geräumt wurden – nach all dem steht das Volk, repräsentiert hier von den sogenannten «Altgläubigen», mit erhobenen Armen da und wünscht sich nichts...
Vor gut 200 Jahren, genau am 7. Mai 1824, kam Beethovens Neunte Symphonie am Wiener Kärntnertor-Theater zur Uraufführung – ein Jubiläum, das nun in der Musikwelt gebührend gefeiert wurde: TV-Dokumentationen erinnerten an diesen Meilenstein der Musikgeschichte, der Fernsehsender Arte sendete nacheinander Aufführungen der Symphonie-Sätze live aus Leipzig, Paris,...
