Schrecklich schön

Britten: The Turn of the Screw am Theater Ulm

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Der Horror einer Gespenstergeschichte stellt sich meist ein, wenn das Unheimliche real wird. So auch in Brittens Kammeroper «The Turn of the Screw»: Die Geister Peter Quint und Miss Jessel werden Wirklichkeit, weil sie singen. In der literarischen Vorlage von Henry James haben sie keine Stimmen, und es bleibt offen, ob sie reine Projektionen der Governess sind, die sich um zwei allein gelassene Kinder auf einem Landgut kümmern muss, oder ob die Untoten Miles und Flora wirklich in ihrer Gewalt haben.

Hinrich Horstkotte ist von der geisterhaften Realität überzeugt.

Mit enormer physischer Präsenz tritt in seiner Inszenierung am Theater Ulm das verwesende Gewesene in Erscheinung und bemächtigt sich der beiden Kinder. Den Knaben Miles führt Quint wie eine Marionette an unsichtbaren Fäden. Wenn er auf dem vor ihm als willenloses Tier Knienden reitet, ist andeutungsreich klar, welch perverse Geheimnisse die beiden miteinander teilen und in welch fürchterlicher Abhängigkeit sich der Kleine befindet. Hier wird Brittens verborgenes Spannungsverhältnis klar: Er liebt diese Knaben und ihre Stimmen, erliegt aber seiner «Neigung» nie, weil er sie durch Kunst sublimiert. Wer Emanuel Dausend als ...

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Opernwelt Juni 2026
Rubrik: Panorama, Seite 61
von Bernd Künzig

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