Kubistischer Kulissenzauber
Dennis Krauß hat im Moment einen Lauf: Im vergangenen Jahr kassierte er gleich zwei renommierte Preise, den 14. Europäischen Opernregie-Preis für Regie und Ausstattung und den «Faust»-Theaterpreis für seine Inszenierung von Péter Eö̈tvös’ «Sleepless» am Theater Chemnitz. Betrachtet man Photos seiner bisherigen Arbeiten, fällt ein Faible für starke Bilder und abstrahierte Settings auf: drei Wieland-Scheiben etwa für Brittens «Midsummer Night’s Dream», drei rote, aufrecht stehende Quader für «L’italiana in Algeri».
In seiner Inszenierung von Puccinis «La Bohème» am Theater Krefeld-Mönchengladbach kann von Minimalismus aber keine Rede mehr sein. Krauß sucht sein Heil nicht in der Abstraktion, er bedient offensiv und ganz ohne Ironie Erwartungen und Klischees. Man reibt sich die Augen – zu sehen ist eine Art Revival des Revivals expressionistischer Bühnenbilder in den 1970er-Jahren.
Da gibt es im ersten Bild eine ärmliche Künstler-Mansarde mit kargem Bett und qualmendem Ofen, mit schiefen Wänden inmitten eines Stadtbilds à la Georges Braques. Im zweiten Bild steht das realistisch ausstaffierte Café Momus, in das man durch eine Glasscheibe hineinschauen kann, vor einem kubistisch ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juni 2026
Rubrik: Panorama, Seite 59
von Regine Müller
Giacomo Puccinis «Madama Butterfly» ist eine Oper der zwei Geschwindigkeiten. Das knappe Orchestervorspiel zum ersten Akt gleicht einem atemlosen Anfang des kontrapunktischen Hinterherlaufens der Einsätze, kündet mit seinem vierstimmigen Fugato von manischem Getrieben-Sein, von einer rastlosen westlichen Gesellschaft. Knapp 40 Jahre zuvor war bereits Bedřich...
Die Wuppertaler Opernintendantin Rebekah Rota, seit der Spielzeit 2023/24 im Amt, will erklärtermaßen ein Drittel ihrer Premieren mit Werken von Komponistinnen bestreiten und hat nach eigenen Worten noch eine lange Liste abzuarbeiten. Zur Aufführungen kamen bislang Ethel Smyths «Der Wald» und «Angel’s Bone» von Du Yun. Nun kam mit «The Lodger» eine 1960 an der...
Als Herzog Bernhard, im Bruderkrieg 1866 törichterweise mit Habsburg verbündet, nach der Niederlage partout nicht weichen wollte, zog ein preußischer Spielmannszug vor das Meininger Schloss und intonierte «Sonst spielt’ ich mit Szepter, mit Krone und Stern»; der Landesvater kannte seinen Lortzing – und trat zurück. Auch Bernhards monumentaler Gegenspieler Bismarck...
