Schöne Gesten
New York im Licht: Nach 18 Monaten der Stille öffnete die Metropolitan Opera wieder ihre Pforten – mit einer bewegenden Aufführung von Verdis «Requiem» unter der Leitung von Yannick Nézet-Séguin. Den Anlass bildete der 20. Jahrestag der Anschläge auf das World Trade Center. Der gemeinsam mit dem 9/11 Tribute Museum initiierte Abend wurde live vor dem Opernhaus und im Fernsehen übertragen. Er bot insbesondere Überlebenden und Angehörigen von Opfern des Terrorakts die Möglichkeit zur gemeinschaftlichen Teilnahme.
54 Mal hat die Met Verdis Meisterwerk bereits programmiert, erstmals 1901, im Todesjahr des Komponisten. Legendär wurden 1964 die Konzerte mit Georg Solti am Pult und zu Ehren des ein Jahr zuvor ermordeten US-Präsidenten John F. Kennedy. Der Mitschnitt dieser Aufführung hat sich als energiegeladene, hochemotionale Erfahrung tief in das Bewusstsein des New Yorker Publikums eingeprägt. Nézet-Séguins aktuelle Interpretation ist nicht ohne gelegentliche stimmliche und instrumentale Makel, hier und da auch etwas zu frei im Tempo, insgesamt aber klug ausbalanciert. Vor allem der kraftvolle Gesang des großbesetzten Met-Chors nimmt für sich ein. Und mögen die durchweg einheimischen ...
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Opernwelt Dezember 2021
Rubrik: Magazin, Seite 74
von David Shengold
Als Heiner Müller 1993 in Bayreuth «Tristan und Isolde» inszenierte, hob er nicht ab auf eine romantische oder metaphysische Liebesgeschichte, sondern auf den im Libretto häufig genannten Tod. Dass es aber noch viel konkreter, härter geht, ist jetzt in Chemnitz zu erleben. Dort gibt es seit dem 2018 vollendeten, von vier Frauen inszenierten «Ring» eine...
Zur Hochzeit der Opera seria in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts gehörte Giuseppe Maria Boschi zu ihren erfolgreichsten Interpreten. Nachdem er 1710/1711 in London erstmals in Opern Georg Friedrich Händels gesungen hatte, ging er 1717 mit dem Komponisten Antonio Lotti an den Dresdner Hof, von wo ihn Händel erneut für die Royal Academy of Music abwerben...
Ruggero Leoncavallos «Pagliacci» – hierzulande besser bekannt als «Der Bajazzo» – ist im Grunde ein Stück Meta-Verismo, nein: fast schon zitatreiche Postmoderne (nur mit Authentizitätsfeeling). Da sich der Verismo um 1900 per se anschickte, glaubhaftere Stoffe von der Straße zu erzählen, darf der unförmige Tonio im «Pagliacci»-Prolog sogleich herrlich pathetisch...
