Schneidende Wucht

Wagner: Der fliegende Holländer Frankfurt / Oper

Opernwelt - Logo

Zwei Grundfragen machen in Drama, Musik, Roman und Film zu schaffen: wie anfangen, wie enden? Wobei Komponisten nicht selten der Beginn leichter fällt als der Schluss, das Fragmentproblem sich als Sonderfall erweist. Bei Wagner gar gehen Lösung und Erlösung Hand in Hand, die Schwierigkeiten sind komplementär. So ist es kein Zufall, dass er gerade an den ersten Hauptwerken («Holländer», «Tannhäuser») zeitlebens laborierte, schließlich fand, er «schulde» den «Tannhäuser» noch.

In der Tat wirkt der Schluss heikel, ungelöst, unerlöst: Die Erlösung, die dem Irrenden durch das «Weib» zuteil werden soll, bleibt fraglich, auch kompositorisch. Entsprechend angeklebt klingt auch das finale Senta-Motiv schon in der «Holländer»-Ouvertüre. Während die knapp-fatalistische Frühfassung hart die Tröstlichkeit verweigert. Doch das Aufflammen der d-Moll-Ouvertüre gehört zu den packendsten Eröffnungen, würde schon für sich Wagners Rang sichern, analog zum d-Moll-Sturm der «Walküre», deren «Feuerzauber» freilich höchst wirksam flammt.

Auch die Frankfurter Premiere beginnt als tönender Schlag vor den Kopf, so unmittelbar springt einen die hohle Quinte an: ein wahres Sturmstück, ins Frenetische ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2016
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Gerhard R. Koch

Weitere Beiträge
Das Wort singt

Nimmt man Charles Gounod beim Wort, war für die französischen Sänger die Klarheit der Aussprache wichtiger als die Qualität des Tons. «Die Aussprache muss klar, sauber, distinkt und exakt sein. Das bedeutet, dass sie dem Ohr in keinem Augenblick irgendeine Ungewissheit betreffs des ausgesprochenen Wortes bereitet. Sie muss ausdrucksvoll sein, und das meint, dass...

Künstlerkarneval

Hector Berlioz’ «Benvenuto Cellini» erlebt gegenwärtig eine Renaissance. Die Produktion der English National Opera aus dem Jahr 2014 (Inszenierung: Terry Gilliam) ist inzwischen aus London via Amsterdam nach Barcelona gereist. Die Oper Bonn hat eine 2008 in Nürnberg erarbeitete Inszenierung von Laura Scozzi reaktiviert. Und in Köln konnte der neue GMD...

The struggle goes on

Philip Glass und sein Librettist Christopher Hampton haben ihre 2007 in San Francisco uraufgeführte Oper «Appomattox» überarbeitet. Oder sollten wir besser sagen: aktualisiert? Das Thema des Stücks, Rassismus in Nordamerika, ist leider alles andere als erledigt. Mit den jüngsten Fällen von Polizeigewalt gegen Schwarze ist die Diskussion um Bürgerechte wieder voll...