Die Unschuld vom Strande

Das Theater Bremen revitalisiert Keyserlings «Wellen». Elmar Lampson gelingt eine Oper jenseits zeitgenössischer Beliebigkeit, Nadine Lehner verwandelt sich in eine unwiderstehliche Femme fatale wider Willen

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Mit Kalypso und Nausikaa beginnt die Literaturgeschichte des Strandes. Die faszinierende Grenzwelt der Elemente, wo Schönheit und Schrecken, das Endliche und Unendliche symbolträchtig aufeinanderstoßen, hat unvermeidlich auch die Oper inspiriert – stärker sogar als das Meer selbst.

Ohne den Strand von Aulis wäre Glucks Iphigénie beinahe heimatlos, und wo sollte Mozarts Idomeneo seinem unseligen Sohn Idamante begegnen, wenn nicht am Ufer Kretas! Spätere Jahrhunderte haben diese Lokalität noch häufiger aufgesucht – Georges Bizet, Benjamin Britten, Ethel Smyth, Thomas Adès und Detlev Glanert heißen die bekanntesten Gäste der Gestade. Jetzt erfährt das Genre erstaunlichen Zuwachs. Elmar Lampsons «Wellen» nach dem gleichnamigen Roman des Grafen Keyserling (1855–1918) ist eine hinreißende Hommage auf diesen Schicksalsort. Der Roman wird gern als Prophetie des Ersten Weltkriegs rezipiert. Er schildert die untergehende Welt des baltischen Adels und schien ebenfalls schon untergegangen, bevor man den Autor aus Anlass seines 150. Geburtstages wiederentdeckte; die Geschichte wurde 2005 mit Marie Bäumer und Matthias Habich sogar verfilmt. Eduard von Keyserling ist mittlerweile der einzige ...

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Opernwelt Juli 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Volker Tarnow

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