Schießen Sie nicht auf den Pianisten
Ein gutes Tier ist das Klavier. Still, friedlich und bescheiden steht es auf Gary McCanns Theater-im-Theater-Bühne für Christian Räths Neuinszenierung des «Freischütz» an der Wiener Staatsoper, wird zu einer Art stillem Teilhaber des Abends. Gelegentlich stürzt der Virtuos’ darauf los – in Gestalt von Max, der in dieser Produktion nur nebenbei Jäger, im Hauptberuf Tonschöpfer ist. Wobei ihn auch bei seiner Kompositionstätigkeit die Fortune verlassen hat.
Freilich scheint Künstler Max sich dies alles bloß zu erträumen.
Der Traum ist ja nicht nur «eine Schutzwehr gegen die Gewöhnlicheit des Lebens» (Novalis), sondern zugleich für den Regisseur auch eine Bastei gegen allfällige Vorwürfe wegen erzählerischer Unlogik. Im Traum ist alles erlaubt. Beispielsweise, dass statt des Urvaters Bildnis jenes von Carl Maria von Weber zu Boden fällt, der Eremit inmitten eines Kronleuchters herabgleitet und der Schwarze Jäger quasi als Fledermaus aus dem Schnürboden hängt. Oder dass Agathe und Ännchen (Letztere im Hosenanzug und mit silberner Pagenperücke ein Geschwitz-Klon und Octavians Zwilling) eine genderpolitisch trendige Liaison einzugehen scheinen. Und dass auch Max eine solche mit Caspar ...
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