Schiere Überwältigung
Der Birgit-Nilsson-Preis ist der am höchsten dotierte Musikpreis der Welt. Man kann leicht überschlagen, wie groß das Vermögen sein muss, das die schwedische Diva in eine nach ihr benannte Stiftung eingebracht hat, wenn das Preisgeld eine Million Dollar beträgt und auch in Zeiten geringer Erträge alle zwei, drei Jahre ausgeschüttet werden kann. Von den Nebenkosten zu schweigen, die sich mit der Preisverleihung verbinden.
Birgit Nilsson machte eben keine halben Sachen, und Bertil Niklasson – mit dem sie fast 60 Jahre glücklich verheiratet war – entwickelte sich vom Tierarzt zum glänzenden Geschäftsmann. Am 11. Oktober 2018 wird der Birgit-Nilsson-Preis zum vierten Mal vergeben, wieder in der Königlichen Oper von Stockholm. Er geht diesmal an Nina Stemme – ohne Zweifel eine gute Wahl. Nina Stemme, auch sie Schwedin, ist heute die weltweit führende Vertreterin des Stimmfaches, mit dem Birgit Nilsson lange identifiziert wurde. Sie hat sich, wie ihr Vorbild, langsam in dieses Fach hineingearbeitet. Freilich verkörpert sie dieses Fach in einer anderen Zeit. Manches ist schwerer, oder sagen wir besser: unkünstlerischer geworden im Betrieb. Insofern weist die Preisverleihung nicht nur auf ...
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Die Mythe lügt, meinte sinngemäß Gottfried Benn. Für Wagner-Regisseure übersetzt sich das in etwa so: Man kann alles machen, der mythologische Klempnerladen ist ein Vielzweckinstrument. Dem erfinderischen Erzählen bieten sich endlos viele Möglichkeiten, eine Fundgrube schon das Potpourri der angefangenen, abgebrochenen, fragmentierten Geschichten.
In Stephan...
Als Krimi-Autorin Donna Leon und Mezzo-Star Cecilia Bartoli vor einigen Jahren den italienischen Komponisten Agostino Steffani aus dem vermeintlichen Schatten der Geschichte holten, konnten sich die Steffani-Experten in Hannover gelassen zurücklehnen. Hier hatte der Cembalist und Hochschullehrer Lajos Rovatkay schon 1981 die «Capella Agostino Steffani» gegründet,...
