Entwurzelt

Fujikura: Solaris
Augsburg | Martini-Park

Opernwelt - Logo

Die stärkste Stimme kommt ohne Worte aus. Ein oszillierendes Irgendetwas ist aus dieser Partitur zu vernehmen, mit stufenlosen Wechseln der Aggregatzustände, irisierend, so unfassbar wie verlockend. Vor allem aber: gekonnt instrumentiert. In der musikalischen Ausstattung des Ozeans, dem Glück und Verheerung bringenden Protagonisten, fand Detlev Glanert seine größte Spielwiese. 2012 kam seine «Solaris»-Oper in Bregenz heraus (siehe OW 9-10/2012).

Man muss sich diese amorphe Klanglandschaft in Erinnerung rufen, um zu erkennen, wie weit entfernt davon eine andere Vertonung des Stoffes liegt. Dai Fujikura dampfte mit Librettist Saburo Teshigawara den Vorlage-Roman von Stanislaw Lem auf Diskursives ein. Vordringlich war nicht das instrumentale Ausmalen einer fremden Welt; das japanische Duo hielt sich an Lems Gedankenexperiment: Wie wäre es, wenn man mit allzu Bekanntem, mit den Fleisch gewordenen Erinnerungen und Spiegelungen der eigenen Psyche konfrontiert wird? Wie echt sind diese Imaginationen? Haben sie gar ein Existenzrecht? Drei Figuren verhandeln das mit erklecklichem Textballast, und der zieht eine ebenso kurzatmig-kleinteilige Musik nach sich.

Nach der Uraufführung in Paris ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2018
Rubrik: Panorama, Seite 34
von Markus Thiel

Vergriffen
Weitere Beiträge
Komponierte Regie

Das von Richard Erkens in der Komponisten-Reihe der Verlage Metzler und Bärenreiter herausgegebene «Puccini-Handbuch» schafft endlich die Grundlage für eine vertiefte Beschäftigung mit dem jahrzehntelang nicht nur in Deutschland unterschätzten populären Musikdramatiker. Es macht Schluss mit der hochmütigen Verachtung durch die Gebildeten, aber auch mit der...

Erschütternd, grandios

Hans Gefors, einer der führenden schwedischen Komponisten, hat bereits eine Vielzahl an Auftragswerken für namhafte Opernhäuser seines Landes vorzuweisen. Die Oper «Parken» («Der Park» ), sie basiert auf dem gleichnamigen Theaterstück von Botho Strauß, schrieb er allerdings für die Internationalen Mai-Festspiele in Wiesbaden, wo das Werk 1992 auch aus der Taufe...

Lust am Untergang

Der Schlussgag hätte besser nicht klappen können. Fröhlicher Applaus im erschreckend spärlich besuchten Theater Basel. Karl-Heinz Brandt, eben noch ein engagierter Auktionator, stolpert beim Schritt zurück, strauchelt und stürzt. In diesen Augenblicken passiert etwas Faszinierendes: Man kann spüren, wie das gewissermaßen kollektive «Hoppla» einer unschönen Angst...