Säulen, Laternen, Kruzifix
Madame liegt im Krankenbett, wenn sie nicht nachts herumstreunt und vom Gatten eingefangen werden muss. Der war am Schreibtisch eingenickt. «Rien» hatte er bei der Suche nach Sinn herausgefunden – wieder mal: nichts. Le docteur Faust ist – wie vor einem halben Jahr bei Jan-Philipp Gloger in Zürich – verheiratet, doch es zieht ihn mit einschlägig diabolischer Hilfestellung zu neuen Erkenntnissen, auch im Urpersönlichen.
Madame ist also ein Pflegefall und hält es mit dem abendfüllenden Herumgeistern (Rollenname: La femme), und sobald erstmals von Marguerites verstorbener kleiner Schwester die Rede ist, hat die Baden-Badener Pfingstfestspiel-Inszenierung von Charles Gounods Oper ihren Zweitgeist (Rollename: L’enfant). Klar, zumindest die verlassene Gemahlin spukt dem liebebedürftigen Faust immerzu im Hinterkopf herum – der G’wissenswurm. Wann, wie, wo und warum die beiden fürderhin aktiv sind oder am Rand des Geschehens kauern, vermag die Regie freilich nicht immer schlüssig zu klären.
Überhaupt, die Regie: Bartlett Sher hat inszeniert, der New Yorker Routinier zwischen Oper, Musical und Broadway-Drama. Er liefert eine bekömmliche Exegese – vernünftig, einleuchtend, lapsusfrei ...
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Opernwelt Juli 2014
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Heinz W. Koch
Hasst der Regisseur die Musik? Hadert er mit diesem Zwitterstück, das weder Oper noch Oratorium ist? Das Hector Berlioz als légende dramatique bezeichnete, das 1846 konzertant uraufgeführt, aber erst 1893, fast ein Vierteljahrhundert nach dem Tod des Komponisten, an der Pariser Opéra comique in Szene gesetzt wurde? Man könnte das meinen, wenn man sieht, wie der...
Zwölf Tage nach dem 300. Geburtstag des Jubilars ist es wieder so weit: Zum fünften Mal wird in und um Nürnberg herum das Werk Christoph Willibald Glucks im Zentrum der Internationalen Gluck Opernfestspiele stehen. Den Auftakt im Nürnberger Schauspielhaus macht eine konzertante Aufführung der «Iphigénie en Aulide» in der Wagner-Fassung (Opéra Nizza, Philippe...
Am Ende steht ein roter Punkt. Er prangt auf einem überdimensionalen Schwarzweißfoto, das die tote Mimì zeigt. Schon drängen sich die Atelier-Besucher um das Bild der Toten. Das Sterben als Attraktion, als Kunstwerk, als Ware. Tod geht immer gut. Eine sichere Nummer auf jeder Vernissage. Das Bild der Hingegangenen mit rotem Punkt – schon verkauft.
Andrea Moses hat...
