Sängertheater gestern und heute
Wenn Maria Callas oder Renata Tebaldi, die scheinbaren Antipodinnen, eines ihrer seltenen Gastspiele in Deutschland gaben, war das immer ein Medien-Ereignis ersten Ranges, und das – vor einem halben Jahrhundert noch ziemlich in den Anfängen steckende – Fernsehen war natürlich dabei. Während sich die Auftritte der Callas auf den Konzertsaal beschränkten, war die Tebaldi auch auf der Bühne zu erleben.
Für ihre Tosca in Stuttgart (1961) wurde eine ältere Inszenierung aufgefrischt, ein Jahr später gab sie Berlin als Desdemona die Ehre, und da keine Inszenierung des Otello im Repertoire der Deutschen Oper war, wurden der Regie-Assistent Hans-Peter Lehmann und der Ausstattungsleiter Wilhelm Reinking damit beauftragt, unter Zuhilfenahme des Fundus eine zu improvisieren. Das Ergebnis ist auch aus heutiger Sicht durchaus respektabel, es entspricht dem damals international üblichen Standard von Opernregie.
Der Aufwand hat sich gelohnt, denn Desdemona war die stärkste Rolle der Tebaldi, und sie gibt hier nachfolgenden Generationen von Sängerinnen (aber auch Hörern!) eine Lektion, wie dieser späte Verdi zu singen ist. Ihre Phrasierungen, ihre Stimmfarben, ihre entrückten Piani sind eine ...
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Opernwelt Januar 2013
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 20
von Ekkehard Pluta
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