Sänger des Jahres 2024
Von der Krise des Gesangs war immer schon und gern auch mit kritischem Blick auf Tenorstimmen die Rede – das Jammern darüber, dass es keine Corellis, Di Stefanos und Pavarottis mehr gebe, gehörte beinahe schon zum guten Ton auf diesem hartumkämpften Terrain. Ob Zufall oder nicht – gerade aus den Vereinigten Staaten von Amerika wehte in den vergangenen Jahrzehnten häufig eine Prise Hoffnung über den Teich. Stephen Gould eroberte sich die europäischen Bühnen mit seinem strahlkräftigen, warm timbrierten Tenor; sein Verlust wiegt nach wie vor schwer.
Aber auch Sänger wie Clay Hilley und Eric Cutler gebieten über jene staunenswerte Kondition und jenen unvergleichlichen Schmelz, der für Stimmen dieser «Couleur» so wichtig ist. Ein wenig auf ihren Spuren wandelt seit einiger Zeit John Osborn. Seine feingewebte Legatokultur, eine lupenreine Intonation sowie ein luxurierendes Espressivo vereinen sich zu einem Stimmbild, das sich, ausgehend vom Belcanto, mehr und mehr auch für dramatischere Rollen in Verdis, Puccinis oder Meyerbeers Opern eignet
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Opernwelt Jahrbuch 2024
Rubrik: Sänger des Jahres, Seite 23
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Seit jenem Tag des Jahres 2009, an dem die Stiftung Palazzetto Bru Zane ihre Arbeit aufgenommen hat, ist Bewegung in die doch leicht verkrustete Opernwelt gekommen – vor allem, was die Zeit zwischen 1780 und 1920 betrifft. Namensimmanentes Ziel des «Centre de musique romantique française» ist es seither, die Musik eben dieser «Epoche» zu erforschen und vor allem...
Von der franko-amerikanischen Bildhauerin Louise Bourgeois stammt der wunderschöne und richtige Satz, die Kunst habe stets mit dem Leben zu tun und sei eben nicht nur gleichsam narzisstisch-ästhetischer Selbstzweck. Herausragende Regisseurinnen und Regisseure haben auch im Musiktheater diese im Grunde unumstößliche «Wahrheit» immer wieder mit ihren zum Teil...
Die Erinnerung ist ein seltsames Tier. Manchmal, meist in der Nacht, steht sie fauchend und zähnefletschend vor mir, so als wolle sie mich gleich zerreißen; das sind die Augenblicke, in denen ich mich, in Schweiß badend, vor ihr fürchte. Manchmal ist sie hingegen wie eine sprießende Blume, und plötzlich sieht die Welt um mich herum so unfassbar schön aus; das sind...
