Romantische Gratwanderungen
An Aufnahmen von Schuberts letztem Liederzyklus «Schwanengesang» herrscht kein Mangel. Wer sich der erdrückenden Konkurrenz stellt, muss etwas Eigenes zu sagen haben. Markus Schäfer, als Tenor im Barockrepertoire erfahren und bereits auf die 60 zugehend, hat es. Was seiner herben, monochromen, vom Timbre her wenig attraktiven und technisch oft unausgeglichenen Stimme abgeht, macht er durch Gestaltung wett. Bei den lyrischen Stücken muss man über manches hinweghören, obwohl er dem populären «Abschied» einen geradezu hysterisch forcierten Drive gibt.
Aber die reflexiven, düster pessimistischen Lieder erfasst er mit einem Ausdruck, der tiefer dringt als die meisten seiner eleganter und eloquenter singenden Kollegen. Das Rellstab-Lied des «Welthinausziehenden» («In der Ferne») und die Stücke «Die Stadt», «Am Meer» und den «Doppelgänger» aus der Heine-Gruppe singt er mit schmerzvoller, ja geradezu bestürzender Eindringlichkeit, wobei er das gesamte dynamische Spektrum vom expressiven Schrei bis zum kraftlosen, nur mehr hingehauchten Versagen des Tons ausreizt. Schäfers Gesang öffnet dem Hörer einen Raum der Imagination, die an so große Vorgänger wie Karl Erb, Julius Patzak, Peter Pears ...
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Opernwelt November 2019
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 30
von Uwe Schweikert
Frau Röschmann, kürzlich haben Sie als Alceste debütiert. Was muss man bei Gluck anders machen? Eine andere Stimmeinstellung finden?
Für Gluck vielleicht nicht, aber für das Französisch. Ich habe noch nicht so viel in dieser Sprache gesungen. Insofern dauerte es doch eine Zeit, bis ich das gelernt hatte. Parallel zur Alceste habe ich die «Tannhäuser»-Elisabeth...
Im schweizerischen Bergdorf, wo der Oldenburger «Ring» spielt, ist es Winter geworden. Die Weltesche, in der «Walküre» noch in vollem Laub, im «Siegfried» in milde Herbstfarben getaucht, ist gefällt und liegt als Brennholz für den Scheiterhaufen bereit, auf dem Walhall verglühen wird. So beginnt im Staatstheater die «Götterdämmerung». Zum ersten Mal in der...
Was zunächst erstaunt bei dem heiklen Stoff: Sláva Daubnerová verweigert jede Aktualisierung oder ideologische Kontextualisierung. Doch die Zurückhaltung der slowakischen Regisseurin, Schauspielerin und Autorin bekommt Shchedrins «Lolita»-Oper ausgezeichnet. Das Stück bietet genug Deutung, nicht nur durch die subtile musikalische Textur, sondern auch dank des vom...
