Fragwürdig
Sie liebkost jedes Wort, kostet Farbschattierungen ganz subtil aus, verströmt eine gebirgswassersprudelnde Klarheit. Der Gesang von Mari Eriksmoen ist auf jene natürliche Weise kunstvoll, dass selbst zu viel gesungenes und zu viel gehörtes Liedgut wie das «Ständchen» von Richard Strauss oder die «Widmung» von Robert Schumann die Unmittelbarkeit und den Zauber des ersten Mals wiedergewinnen.
Anno 2007 war die norwegische Sopranistin selbst Finalistin der Queen Sonja International Music Competition, jetzt bedankte sie sich bei der Namensgeberin des Wettbewerbs am Vorabend des diesjährgen Finales mit einem Recital, das im exklusiven Rahmen für Jurymitglieder, Förderer und Journalisten stattfand. Das Esszimmer der einstigen Sommerresidenz von Oscarshall, 1852 als neogotisches Miniatur-Neuschwanstein eingeweiht, wurde dabei zum intimen Ort jener Kunstliedpflege, auf die sich Mari Eriksmoen, am Steinway begleitet von Sveinung Bjelland, so einzigartig versteht. Ach, könnte Gesang doch immer genau so sein. So aufrichtig, jubilierend und so berührend.
Im modernen Achitekturjuwel und Touristenmagneten des Opernhauses von Oslo, wo die sechs Finalisten des Jahres 2019 tags darauf ihren ...
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Opernwelt November 2019
Rubrik: Magazin, Seite 74
von Peter Krause
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