Ritterspiele
Am Ende hat die Grals-Ente Nachwuchs bekommen. Ferngesteuert fährt sie damit auf Rädern herein, und es folgt – ganz wie beim «Parsifal» oben im Festspielhaus – ein Happy End. Sogar der böse Zauberer Klingsor darf wieder zu den Gralsrittern gehören, nachdem er ein halblautes «Tschuldigung» gemurmelt hat. Wenn das Bühnenweihfestspiel auf der Probebühne IV für Kinder gegeben wird, geht es nicht um Erlösung und Erlöser, Kuss und Kastration, Verführung und Schuld. Es geht einfacher zu, dabei durchaus poetisch und humorvoll.
Die Zauberkraft des Grals sorgt jedes Jahr für ein Frühlingsritual und das Erwachen der Natur. Doch weil Kundry und Klingsor gleich zu Beginn den Speer stehlen, mit dem sich der Gral öffnen lässt, haben die Ritter ein Problem. Parsifal, der ein bisschen an Robin Hood erinnert, wird es lösen, weil ihm dabei eine Kräuterheilerin hilft – eine zweite, gute Kundry gewissermaßen. Sie weiß, worauf es ankommt: «Soll der Gral die Kraft dir schenken, lass dich nicht ablenken», heißt das Motto. Und so widersteht Parsifal zauberischen Blumen, verführerischen Marshmallows und sogar einer Torte, die ihn an seine Mutter erinnern soll.
Die Fassung stammt von Katharina Wagner, Marko ...
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Opernwelt 2023
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Stephan Mösch
Frau Stikhina, sind Sie manchmal neidisch auf Radamès? Er ist mit seiner Arie kurz nach Beginn dran inklusive hohem B, kann dann einigermaßen relaxen – und Sie müssen bis zur Nil-Szene warten ...
Na ja, für mich gibt es dazwischen noch einiges. «Ritorna vincitor» zum Beispiel. Ich bin nicht neidisch, weil Radamès letztlich dreimal weniger zu singen hat als Aida....
Mit Beethoven hat die Schweinerei in der Musik begonnnen.» Der Satz könnte manchen Klassikverehrer schier in Rage versetzen: als kulturrevolutionär-dadaistische, schier blasphemische Schmähung eines schlechthin Erhabenen. Dabei stammt die Sentenz mitnichten von einem dandyhaften Provokateur: Der Wiener Komponist Josef Matthias Hauer geriet zwar mit Arnold Schönberg...
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