Harmlose Dramaturgie
Wie bereits bei der Produktion von Rameaus «Castor et Pollux» gingen den Aufnahmesitzungen auch im Fall von Händels «Rinaldo» einige Live-Aufführungen voraus. Ende März 2004 brachten Kevin Mallon und sein Aradia Ensemble in Toronto Händels Oper konzertant auf die Bühne, und zwar in der ersten Fassung von 1711. Die CD entstand wenige Monate später und wurde jetzt bei Naxos veröffentlicht.
Fazit: Mallons Einspielung kann im Vergleich mit dem diskografischen «Primus», der zwei Jahre zuvor erschienenen Aufnahme unter René Jacobs (harmonia mundi), nicht mithalten.
Das Aradia Ensemble spielt solide, verlässlich und stilistisch einwandfrei. Doch darin erschöpft sich bereits die Kunst seines Händel-Spiels. Auch die Rezitative klingen, und das nicht nur, weil das Continuo spärlicher besetzt ist als bei Jacobs, fader, zerbrechlicher, dramaturgisch harmloser. Kimberly Barber kann sich nicht mit Vivica Genaux und schon gar nicht mit David Daniels (in der 1999 entstandenen Produktion unter Christopher Hogwood) messen. Zu glatt wirkt Barbers Rinaldo; es fehlt an Spontaneität und emotionaler Dichte. Das «Venti, turbini» am Ende des ersten Aktes besitzt eine mathematische Ebenmäßigkeit, die ...
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