Rausch der Verwandlung
Gleich zu Beginn seines philologisch ausgefeilten Begleittextes zur Aufnahme mit Mahlers «Lied von der Erde» stellt Peter Gülke eines unwiderruflich in den Raum: Die vorliegende Version für Klavier stelle «keine Vorstufe zur Orchesterfassung» dar, sie stehe «gleichberechtigt neben ihr».
Damit nimmt der renommierte Musikwissenschaftler (und Dirigent) a priori all jenen Stimmen den Wind aus den Segeln, die der dezidierten Überzeugung sind, dieses Opus sei auf instrumentaler Seite in seiner hochdifferenzierten Klanglichkeit adäquat nur von einem Orchester umzusetzen. Ein Argument hat Gülke in jedem Fall auf seiner Seite: Der Schöpfer selbst notierte seine Lieder ab 1892 (also mehr als 15 Jahre vor Vollendung des «Liedes von der Erde») sämtlich sowohl für Klavier wie für Orchester.
Das weit stichhaltigere Argument für die vorliegende Version liefert freilich die Interpretation selbst. Sie ist, mit einem Wort: glänzend. Natürlich kann ein Klavier, selbst wenn ein so famoser Pianist wie Gerold Huber daran sitzt und von Poesie erfüllte Tongebilde, ja ganze Tonlandschaften kreiert, den Klang eines Orchesters nicht imitieren. Aber genau das ist erklärtermaßen auch gar nicht das Ziel dieser ...
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Opernwelt Juli 2023
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 33
von Jan Verheyen
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