Grün ist die Hoffnung
Diesem Mann ist nicht zu helfen. Gar nicht. Er ist verliebt, (un)sterblich verliebt.
Und genau das möchte der hoffnungsvoll durchs Grün wandernde Handwerker nun auch der Welt mitteilen: In forsch akzentuierten Achteltriolen fliegt die Musik schon im Vorspiel dahin, sehr gern zu seligmachenden Terzen gefügt, und wenn die Singstimme sich im achten Takt mit einem keck-erotischen Sextsprung hinzugesellt (Richard Strauss wird sich mehr als 80 Jahre später, im «Rosenkavalier», daran erinnern), hüpft sie vor funkender Freude punktiert durch die Landschaft; auch die Tonart A-Dur verspricht viel Licht für die Zukunft. Damit aber die ferne Angebetete das Ansinnen ihres Zukünftigen nicht einfach so vergessen kann, sagt und singt dieser es gleich vier Mal, zum Ende jeder Strophe, in aller Unwiderruflichkeit: «Dein ist mein Herz, und soll es ewig bleiben!»
Kenner von Schuberts Liedzyklus «Die schöne Müllerin» auf die kongenialen romantisch getünchten Verse von Wilhelm Müller (den selbst ein so spöttischer Geist wie Heinrich Heine schätzte) wissen, dass das nicht klappt mit der Liebe. Es klappert eher – und das leider fortwährend, zwischen Stock und Stein, am Bach, vor dem Haus, unterm Baum. Wo ...
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Opernwelt Juli 2023
Rubrik: Panorama, Seite 54
von Jürgen Otten
Vor vielen Monaten fand eine italienische Musikwissenschaftlerin eine noch unbekannte Oper von Gaetano Donizetti: «Dalinda» – in den ersten zwei Akten quasi deckungsgleich mit Donizettis «Lucrezia Borgia» (1833). Der Rest bis dato: verloren, ungehört. Die verspätete Uraufführung der «Dalinda» Mitte Mai im Konzerthaus Berlin: eine Sensation.
Statt mit der (per...
Im Wien des malerischen Goldgrunds finden wir uns auf diesem Album, spüren das besondere Flair des Fin de Siècle von Klimt und Schiele, Schnitzler und Freud. Und auch jenes von Alma Mahler, jener Frau, die dieses Wien lebte wie kaum eine andere. Eine Hochbegabte, die aufgrund der damaligen fest verfügten Geschlechterordnung ihr musikalisches Talent zunächst kaum...
Wenige Tage nach der Zürcher Premiere von «Lessons in Love and Violence», seiner dritten Oper, konnte George Benjamin den Ernst-von-Siemens-Musikpreis entgegennehmen. Die Ehrung folgt einer eigenen, plausiblen Logik. Der Engländer mit Jahrgang 1960 ist genuin mit der musikalischen Tradition des 20. Jahrhunderts verbunden, er verfügt über reiche Einfallskraft und...
