Raus aus dem Sumpf
Liebhaber der Barockoper wissen um die delikaten Entstehungsumstände der Ballet-buffon «Platée», die Mitte des 18. Jahrhunderts im Théâtre de la Grande Ecurie das Kerzenlicht der Opernwelt erblickte. Zwischenzeitlich vergessen, fand das Stück in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts mit der Wiederentdeckung Rameaus (und des barocken Musiktheaters) neben «Hippolyte et Aricie», «Castor et Pollux» und «Les Boréades» wieder auf die Bühne.
Geschrieben wurde die heiter-boshafte Ballettoper anlässlich der Hochzeit des Dauphins mit der spanischen Infantin in Versailles 1745. Die Handlung basiert auf einer spätantiken Geschichte und präsentiert einen wüsten Spaß, den sich die olympischen Götter mit der liebeshungrigen Sumpfnymphe Platea gemacht haben sollen: Einer «hässlichen Kröte», die sich selbst für unwiderstehlich hält, gaukelt man vor, dass Jupiter sich für sie interessiere. Die Royals fanden das ziemlich hemmungslose Theatervergnügen bei der Uraufführung wohl etwas degoutant, da die zur Vermählung herangeschaffte spanische Prinzessin alles andere als eine Schönheit und mithin unschwer als Vorbild der Nymphe zu interpretieren war. Die grotesk virtuosen Arien von La Folie (der ...
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Opernwelt Mai 2011
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Frieder Reininghaus
Kaija Saariaho und ihr Librettist, der in Frankreich lebende libanesische Schriftsteller Amin Malouf, haben für ihre zweite, 2006 in Paris uraufgeführte Oper «Adriana Mater» einen aktuellen Stoff gewählt – die sexualisierte Gewalt im Krieg. Adriana wird von dem Soldaten Tsargo vergewaltigt, entschließt sich aber trotz des Widerstands ihrer Schwester Refka, das Kind...
Zwölf Jahre sind seit Robert Carsens und William Christies wundervoller «Alcina»-Produktion an der Pariser Oper nun schon vergangen. Und doch fühlte man sich jetzt an Renée Flemings damalige Leiden als machtlose Zauberin erinnert, die vor einer Phalanx makelloser Nackter in der Nacht ihrer Ohnmacht versank, welche ihr den Liebsten nicht mehr zurückholen konnte....
Es ist eine Aura um sie. Wann immer man ihr begegnet – etwa beim alljährlichen Sängertreffen der Gottlob-Frick-Gesellschaft in Ölbronn, das sie regelmäßig besucht –, ist man gefesselt von dem Charme, von der Vitalität, die sie ausstrahlt. Kaum zu glauben: Inge Borkh, eine der legendären Gesangstragödinnen des vorigen Jahrhunderts, wird am 26. Mai 90 Jahre alt.
Früh...
