Putztrupp für Prince
Der Laden sieht ziemlich schäbig aus: schmuddelig-gelbliche Wän- de, billiges Mobiliar, überall Müll auf dem schachbrettartigen Boden. Und an der dürftigen Theke, hinter der trostlose Kacheln giftgrün schimmern, fehlt selbst das, was sonst in jeder italienischen Bar zu finden ist: die Kaffeemaschine. Einzig der neon-leuchtende Schriftzug im Obergeschoss zeugt davon, dass dieses «Buffet» überhaupt noch in Betrieb ist. Kein Wunder, dass keine Gäste zu sehen sind und der Padrone schlafend an der blanken Kasse hängt, aus der seine Töchter ihm noch die letzten Lappen klauen.
Don Magnifico, in Rossinis Erfolgsoper «La Cenerentola» eigentlich ein verarmter Baron, ist in Salzburg zum abgetakelten Barbesitzer mutiert. Warum, bleibt bei Regisseur Damiano Michieletto ebenso unklar wie so manch anderes Detail in seiner Inszenierung für die Salzburger Pfingstfestspiele, die das Geschehen um das gedemütigte Aschenputtel aus den adeligen Herrscherhäusern ins heutige Ambiente verlegt. Ein schriller Schrei ertönt, als unter großem Gedöns per Video die Ankunft von Prince verkündet wird, dessen bevorstehendes Konzert bereits zuvor aufgeregt plakatiert wurde: In Frauenkleidern umringen die Herren des ...
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Opernwelt Juli 2014
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Reinhard Kager
Stefan Zweig, der Librettist der «Schweigsamen Frau», kannte den Ablauf aus nächster Nähe: «Jede Art von Nervosität ist Strauss fremd, bei Tag und bei Nacht ist sein Kunstintellekt immer gleich hell und klar. Wenn der Diener an der Tür klopft, um ihm den Frack zu bringen zum Dirigieren, steht er auf von der Arbeit, fährt ins Theater und dirigiert mit der gleichen...
Madame liegt im Krankenbett, wenn sie nicht nachts herumstreunt und vom Gatten eingefangen werden muss. Der war am Schreibtisch eingenickt. «Rien» hatte er bei der Suche nach Sinn herausgefunden – wieder mal: nichts. Le docteur Faust ist – wie vor einem halben Jahr bei Jan-Philipp Gloger in Zürich – verheiratet, doch es zieht ihn mit einschlägig diabolischer...
Eine Frau betrügt ihren Mann mit einem Jüngling. Ihr Mann gibt ihr das Herz des Jünglings zu essen, woraufhin sie sich umbringt. Eine klassische Dreieckskonstellation mit blutigem Ausgang. Eine Geschichte, die erzählt werden will. Und in George Benjamins «Written on Skin» (siehe OW 9-10/2012) wird sie erzählt – vordergründig linear. Doch Martin Crimp spielt in...
