Präzision und Wärme
Dass der Italiener Victor de Sabata zu den besten Wagner-Dirigenten gehörte, war auch außerhalb seines Heimatlandes bald bekannt; auf Schallplatte dokumentiert wurde dieser Ruf aber überraschend spärlich. Einzelne Stücke aus Wagners Musikdramen liegen in Aufnahmen vor: etwa ein überaus geschmackvoll dirigiertes «Meistersinger»-Vorspiel, ein innig und leuchtend musizierter «Karfreitagszauber» (beides mit dem New York Philharmonic), ein kraftvoller, nie aber ordinär tönender Walkürenritt mit dem London Philharmonic Orchestra.
Nur eine Gesamtaufnahme gibt es mit de Sabata: einen «Tristan»-Live-Mitschnitt vom 13. Dezember 1951 aus der Mailänder Scala, deren Künstlerischer Leiter der Italiener von 1927 bis 1957 war.
Die Aufnahme, die nun beim Label Pan Classics wiederaufgelegt wurde, akustisch leicht restauriert, belegt ausreichend, wie es zu de Sabatas exzellentem Ruf kam. Strenge und Freiheit, Präzision und Wärme, Nüchternheit und Gefühlsintensität sind bei diesem Dirigenten nahezu ideal in Ausgleich gebracht, hinzu kommt ein dramaturgisches Verständnis, das beim intensiv gestalteten Augenblick nie die Einordnung ins Gesamte aus dem Blick verliert. Mit dem Orchester der Scala steht ...
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Opernwelt August 2025
Rubrik: Medien, Seite 39
von Clemens Haustein
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