Passions de l'ame
Den Begriff kennen wir aus der Philosophie des 17. Jahrhunderts. Anno 1649 verfasste René Descartes seinen legendären Tractatus logicus «Les Passions de l’âme» (Die Leidenschaften der Seele) und legte damit ein Traktat vor, das, wiewohl nur subkutan, erhebliche Wirkung vor allem auf jene Kunstform ausübte, die sich a priori glänzend eignete für diesen prekären Menscheninnenraum: die romantische Oper.
Deren Bühne ist prall gefüllt mit liebenden Leidenden wie leidenden Liebenden (je nach Perspektive und Gewichtung), mit verwundeten Wesen, die der Welt einfach nicht mehr gewachsen sind, weil ihr Herz allzu bleiern beschwert wurde. Einer von ihnen ist Goethes Werther, und wenn Jules Massenet ihm in der fis-Moll-Arie «Toute mon âme est là! Pourquoi me réveiller» aus dem dritten Akt des gleichnamigen Musikdramas die Singanweisung «avec une tristesse inspirée» in die Noten schreibt, dann ist die Nähe zur cartesianischen Lehre fast schon evident. Hier ist jemand, der spürbar an seiner Sehnsucht zugrunde geht, dies aber mit der schönstmöglichen Musik zum Ausdruck bringt.
Jean-François Borras singt die Arie exakt so, wie der Komponist sie sich wünschte: mit tief empfundener Traurigkeit. ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt August 2025
Rubrik: Medien, Seite 38
von Virginie Germstein
Carmen tanzt nicht. Carmen raucht nicht. Und Klamotten im Gypsy Style trägt sie erst recht nicht. In der Endphase ihrer Evolution ist sie eine elegante Intellektuelle. Welch weiter Weg von der gewitzten, niederträchtigen «Zigeunerin» über die exotische Femme fatale bis zum Status eines exemplarischen Femizid-Opfers. Prosper Mérimée entwarf in der literarischen...
ML = Musikalische Leitung
I = Inszenierung
B = Bühnenbild
K = Kostüme
C = Chor
S = Solisten
P = Premiere
UA = Uraufführung
DEUTSCHLAND
Altenburg/Gera
Theater Altenburg Gera
theater-altenburg-gera.de
- Jira, Der Weg des Orpheus: 22. (UA), 23., 24., 27., 28., 29., 30., 31. ML: Gazarian, I: Kuntze, B+K: Eisensee, Fischer, C: Diamantis
Annaberg-Buchholz
...
Am Ende zerren italienische Freiheitskämpfer ihre Symbolfigur und deren Geliebten vor das Erschießungskommando. Eine Gewehrsalve streckt die Hohepriesterin der Revolution und den Kommandeur der österreichischen Fremdherrscher nieder. Nichts ist es mit dem romantischen Liebestod. Olivier Py verklammert in seiner Inszenierung zwei geschichtliche Momente: die...
