Polonaise Bolognese
Je brenzliger und explosiver sich das Verhältnis zwischen heutigem Okzident und Orient darstellt, desto naiver muten historisierende, politisch abstrahierende Versuche an, den Dialog der Kulturen musikalisch abzubilden. Längst nicht für alle Beispiele gilt dieser Vorbehalt – Ausnahmen sind zum Beispiel Jordi Savall und Yo-Yo Ma. Die hier zu besprechenden CDs indes ziehen sich auf das idyllische Eiland einer romantisierenden Sichtweise zurück. Sie münden in Folklore.
Das Pera Ensemble, gegründet 2005, bezog schon in «Café» (2012), «Momenti d’amore» (2015) und «Carneval Oriental» (2016) eine Position des historisch aufgeklärten Exotismus und Traditionalismus. Heutige Standards der historischen Aufführungspraxis werden durchaus eingehalten. Bei der aktuellen CD steht mit Francesca Lombardi Mazzulli zudem eine italienische Sängerin erneut im Mittelpunkt, die stilistisch an Montserrat Figueras anknüpft. So dekorativ der Titel «Ballo Turco» anmutet, so harmlos schön klingt diese Reise «from Venice to Istanbul».
Mit Eunuchentänzen (aus «La Dori» von Cesti) und Morescas (aus Monteverdis «L’Orfeo» und Praetorius’ «Terpsichore») beginnt es. Über Kapsberger und Marini, von ...
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«Orpheus und Eurydike», 1923 entstanden und 1926 in Kassel uraufgeführt, ist neben der zweiten Symphonie eines der Hauptwerke aus Kreneks expressionistisch-atonaler Frühphase. Während er sonst die Texte zu fast allen seinen Opern selbst schrieb, griff er hier zu Oskar Kokoschkas 1919 im Druck erschienenen Drama – einer modernen Version des antiken Stoffs, die...
Synergien, modifizierte Neuauflagen, neue Zugänge – der Buchmarkt ist um einige Musiklexika reicher geworden. Dass die Pressemitteilungen dazu manchmal vollmundiger daherkommen als das, was der Leser tatsächlich vorfindet, liegt in der Natur des Geschäfts. So soll das von Arnold Jacobshagen und Elisabeth Schmierer herausgegebene «Sachlexikon des Musiktheaters»...
