Polonaise Bolognese
Je brenzliger und explosiver sich das Verhältnis zwischen heutigem Okzident und Orient darstellt, desto naiver muten historisierende, politisch abstrahierende Versuche an, den Dialog der Kulturen musikalisch abzubilden. Längst nicht für alle Beispiele gilt dieser Vorbehalt – Ausnahmen sind zum Beispiel Jordi Savall und Yo-Yo Ma. Die hier zu besprechenden CDs indes ziehen sich auf das idyllische Eiland einer romantisierenden Sichtweise zurück. Sie münden in Folklore.
Das Pera Ensemble, gegründet 2005, bezog schon in «Café» (2012), «Momenti d’amore» (2015) und «Carneval Oriental» (2016) eine Position des historisch aufgeklärten Exotismus und Traditionalismus. Heutige Standards der historischen Aufführungspraxis werden durchaus eingehalten. Bei der aktuellen CD steht mit Francesca Lombardi Mazzulli zudem eine italienische Sängerin erneut im Mittelpunkt, die stilistisch an Montserrat Figueras anknüpft. So dekorativ der Titel «Ballo Turco» anmutet, so harmlos schön klingt diese Reise «from Venice to Istanbul».
Mit Eunuchentänzen (aus «La Dori» von Cesti) und Morescas (aus Monteverdis «L’Orfeo» und Praetorius’ «Terpsichore») beginnt es. Über Kapsberger und Marini, von ...
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58. Jahrgang, Nr 2
Opernwelt wird herausgegeben von
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Andrea Kaiser | redakt...
Herr Klink, Sie singen nun seit mehr als zwanzig Jahren Oper. Was ist Ihnen heute besonders wichtig, wenn Sie auf die Bühne treten?
Eine direkte Verbindung zwischen Sprache und Stimme. Danach suche ich, in jeder Vorstellung aufs Neue. Gesang ist ja eigentlich etwas Gemachtes, Künstliches. Ich will diese Künstlichkeit überwinden. Das treibt mich an. Eine Partie...
In der entscheidenden Szene schweigt das Orchester. Die Pariser Abendgesellschaft auf der Bühne wird von einem Pianisten unterhalten, der sich als Nachfolger Chopins versteht und in der Tat etwas Nocturne-artiges auf die Tasten zaubert – langsam, elegisch in H-Dur beginnend, dann vollgriffig virtuos ausholend. Wie sich später herausstellt, soll er ein Spion...
