Polonaise Bolognese
Je brenzliger und explosiver sich das Verhältnis zwischen heutigem Okzident und Orient darstellt, desto naiver muten historisierende, politisch abstrahierende Versuche an, den Dialog der Kulturen musikalisch abzubilden. Längst nicht für alle Beispiele gilt dieser Vorbehalt – Ausnahmen sind zum Beispiel Jordi Savall und Yo-Yo Ma. Die hier zu besprechenden CDs indes ziehen sich auf das idyllische Eiland einer romantisierenden Sichtweise zurück. Sie münden in Folklore.
Das Pera Ensemble, gegründet 2005, bezog schon in «Café» (2012), «Momenti d’amore» (2015) und «Carneval Oriental» (2016) eine Position des historisch aufgeklärten Exotismus und Traditionalismus. Heutige Standards der historischen Aufführungspraxis werden durchaus eingehalten. Bei der aktuellen CD steht mit Francesca Lombardi Mazzulli zudem eine italienische Sängerin erneut im Mittelpunkt, die stilistisch an Montserrat Figueras anknüpft. So dekorativ der Titel «Ballo Turco» anmutet, so harmlos schön klingt diese Reise «from Venice to Istanbul».
Mit Eunuchentänzen (aus «La Dori» von Cesti) und Morescas (aus Monteverdis «L’Orfeo» und Praetorius’ «Terpsichore») beginnt es. Über Kapsberger und Marini, von ...
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Was für ein Herrscher! Nicht nur faul, feist und fett ist er, sondern auch noch dumm, primitiv und überheblich. Aufs Regieren hat er definitiv keine Lust. Den lieben langen Tag vergammelt er unrasiert, unfrisiert im gestreiften Schlafanzug unter dem Plumeau seines Donald-Trump-protzigen Bettes, seine beiden Söhne jagt er allein aus Bequemlichkeit in die Schlacht....
Herr Klink, Sie singen nun seit mehr als zwanzig Jahren Oper. Was ist Ihnen heute besonders wichtig, wenn Sie auf die Bühne treten?
Eine direkte Verbindung zwischen Sprache und Stimme. Danach suche ich, in jeder Vorstellung aufs Neue. Gesang ist ja eigentlich etwas Gemachtes, Künstliches. Ich will diese Künstlichkeit überwinden. Das treibt mich an. Eine Partie...
Musiktheater ist ein feiner Seismograf für die Wandlungen im Umgang mit Emotionen. Wie sehr dies gerade auch für Händels Opern gilt, will dieser anregende Band mit seiner Fokussierung auf weibliche Opernfiguren zeigen, die von damals neuen und deshalb beunruhigenden «vermischten Empfindungen» geprägt sind. Eingelöst wird dieser in Laurenz Lüttekens bündiger...
