Es ist alles gesagt: Clémentine Margaine (Fidès), Gregory Kunde (Jean de Leyde) und Elena Tsallagova (Berthe); Foto: Joachim Fieguth
Plattgemacht
Nein, Jean de Leyde erschießt sich nicht; laut Libretto flüchtet er sich zuletzt in die Arme seiner Mutter Fidès. Jeans Geliebte Berthe wiederum rennt keineswegs feige von der Bühne, sie ersticht sich. Indem die Berliner Inszenierung dem wankelmütigen Propheten ein halbwegs heroisches Ende gönnt, der jungen Frau jedoch genau diese mutige Tat abspricht, werden die von Scribe und Meyerbeer entworfenen Charakterbilder ins Gegenteil verkehrt.
«Le Prophète» ist ja nicht nur ein Drama über rohe Klassenherrschaft und tragische, weil dieselben Mechanismen reproduzierende Revolutionen – das 1849 in Paris uraufgeführte Werk gehorcht auch einer durchaus gängigen Opernlogik: schwache Männer, starke Frauen!
Leider interessiert sich Regisseur Olivier Py dafür überhaupt nicht. Wofür aber dann? Auf jeden Fall für nackte, vorwiegend männliche Oberkörper. Man sieht sie in den sadistischen Attacken der Soldateska, in der berühmten Schlittschuhläufer-Szene, die hier als Turner-Ballett abgespult wird, zeitlupenlangsam diverse Gewaltexzesse aneinanderreihend, und man sieht diese Nudisten, mittlerweile auch unten herum von den sowieso unbeträchtlichen Kostümteilen befreit, in der spießigsten Szene des ...
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Opernwelt Januar 2018
Rubrik: Panorama, Seite 36
von Volker Tarnow
Frau Jaho, 2017 bestand für Sie fast nur aus Butterflys und Violettas. Wie das?
Ich habe das etwas spät realisiert. Die Verträge wurden nach und nach unterschrieben, und irgendwann war dieser Terminplan komplett. Mancher mag kritisieren: Über 30-mal hat sie schon Cio-Cio-San gesungen, das ist doch verrückt.» Mir ist klar, dass ich ein lyrischer Sopran bin. Aber die...
«Ein garstig Lied! Pfui! Ein politisch Lied – ein garstig Lied!» Das Wort des Mephisto aus Goethes «Faust» diente als Keule, die gegen Hanns Eisler geschwungen wurde, den Komponisten agitatorischer Lieder und insbesondere der DDR-Nationalhymne. Der Schönberg-Schüler hatte anno 1935 verkündet, «das Kampflied» sei das «einzige Volkslied des Proletariats».
Für ihre...
Vorsichtig, etwas wackelig schritt er auf die Bühne, der Gleichgewichtssinn machte nicht mehr richtig mit. Doch getragen wurde er, der so breit ins Auditorium lächelte, von einem Tsunami der Sympathie. Ohrenbetäubender, auch ungläubiger Jubel, Standing Ovations – ein letztes Mal kehrte Dmitri Hvorostovsky im Mai dieses Jahres zurück. Alle Kraft nahm er zusammen, um...
