Parallelwelten
Das sagt sich nicht», antwortet sein Mentor Gurnemanz dem reinen Toren Parsifal, als dieser wissen will, wer oder was denn der Gral nun sei. Jenseits seines eigenen Textbuchs aber ist Richard Wagner ungleich auskunftsfreudiger und bezieht sich auf «die Trinkschale des Abendmahles, in welcher Joseph von Arimathia das Blut des Heilands am Kreuze auffing». Das heilige Blut des geopferten Gottessohnes wie das sündige Blut des Gralskönigs Amfortas zieht sich dann auch wie ein doppelter roter Faden durch das Bühnenweihfestspiel.
Zuletzt ließ Michael Thalheimer, bei sonst ihm eigener Reduktionsästhetik, in Genf ganze Hektoliter von Bühnenblut spritzen.
Eric Vigié ist kein Freund derart drastischer theatralischer Mittel. Und doch nimmt er seinen Wagner im Stadttheater Minden auf verblüffende Weise beim Wort. Schon im Vorspiel zeigt er die mittlerweile 2000 Jahre zurückliegende Vorgeschichte: Ein römischer Legionär stößt dem sterbenden Jesus seinen Speer in die Seite, Joseph von Arimathia fängt das herausschießende Blut im Kelch des letzten Abendmahls auf: Die beiden zentralen Symbole des Stücks sind damit klar und samt ihrer Konnotation als christliche Reliquien eingeführt. Zwischen ...
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Opernwelt November 2023
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Peter Krause
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JUBILARE
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