Parallelwelten

Wagners «Parsifal» am Stadttheater Minden und an der Staatsoper Hannover

Opernwelt - Logo

Das sagt sich nicht», antwortet sein Mentor Gurnemanz dem reinen Toren Parsifal, als dieser wissen will, wer oder was denn der Gral nun sei. Jenseits seines eigenen Textbuchs aber ist Richard Wagner ungleich auskunftsfreudiger und bezieht sich auf «die Trinkschale des Abendmahles, in welcher Joseph von Arimathia das Blut des Heilands am Kreuze auffing». Das heilige Blut des geopferten Gottessohnes wie das sündige Blut des Gralskönigs Amfortas zieht sich dann auch wie ein doppelter roter Faden durch das Bühnenweihfestspiel.

Zuletzt ließ Michael Thalheimer, bei sonst ihm eigener Reduktionsästhetik, in Genf ganze Hektoliter von Bühnenblut spritzen.

Eric Vigié ist kein Freund derart drastischer theatralischer Mittel. Und doch nimmt er seinen Wagner im Stadttheater Minden auf verblüffende Weise beim Wort. Schon im Vorspiel zeigt er die mittlerweile 2000 Jahre zurückliegende Vorgeschichte: Ein römischer Legionär stößt dem sterbenden Jesus seinen Speer in die Seite, Joseph von Arimathia fängt das herausschießende Blut im Kelch des letzten Abendmahls auf: Die beiden zentralen Symbole des Stücks sind damit klar und samt ihrer Konnotation als christliche Reliquien eingeführt. Zwischen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt November 2023
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Peter Krause

Weitere Beiträge
Kabale und Triebe

Einer der besterhaltenen Theaterbauten des 18. Jahrhunderts, prachtverliebt und doch geschmackvoll, riesig für seine Zeit und zugleich intim, leuchtend in Blau und Gold und dennoch aus Holz, Zeichen höfischer Eitelkeiten wie des Bewusstseins für Vergänglichkeit – das ist das Markgräfliche Opernhaus in Bayreuth. Es war der 1748 von Markgräfin Wilhelmine eröffnete...

Bilder des Lebens

In Pesaro, der Geburtsstadt des Komponisten an der Adria, schlägt das Herz der internationalen Rossini-Pflege. Alljährlich spielt das Rossini Opera Festival (ROF) drei seiner 39 Opern, wobei 2023 einen gewissen Schlusspunkt setzt: Mit «Eduardo e Cristina» steht das einzige Bühnenwerk auf dem Spielplan, das hier noch nie gezeigt wurde. Zwar war die Oper bereits...

Ambivalent

Kaum ein Werk des italienischen Repertoires steht wohl derart unter kritischem Regiebeschuss wie «Aida». Lange bevor sich eine junge Generation gebärdete, als hätte sie die Verbrechen des Kolonialismus entdeckt, er -regte Verdis für Kairo geschriebene Quasi-Grand-Opéra einiges Unwohlsein, weil sie Imperialismus nicht nur thematisierte, sondern selbst kulturellen...