Opus metaphysicum
Wieder in Linz am 2., 7., 11., 17. Juni 2017
Am Schluss kreist das Planetarium geräuschlos um die eigene Achse, während sämtliche Figuren des Stücks an die Rampe treten und per Videotechnik auf die Bühnenrückwand projiziert werden.
Es ist die leisere, aber durchaus transzendenzaffine Variante eines Bildes, mit dem Paul Hindemith zum Ende seiner Oper «Die Harmonie der Welt» nicht weniger als die gesamte Milchstraße gleichsam singend, klingend zeigen wollte – jener Idee der Sphärenharmonie folgend, wie sie der Mathematiker, Astronom, Theologe und Philosoph Johannes Kepler in seinem gleichnamigen theoretischen Werk entwickelt hatte.
Am Landestheater Linz hat man es offensichtlich als Ehrensache empfunden, dieses äußerst selten gespielte Werk auf die Bühne zu bringen. Schließlich verbrachte Kepler in Linz zentrale Jahre seines Lebens, hier erschien auch im Jahr 1619 seine «Harmonie der Welt». Es war ein Leben, das in die vielfältigen Zerreißproben vor und während des Dreißigjährigen Krieges fiel. Kepler geriet mehrfach zwischen die Fronten der konfessionellen Streitigkeiten und musste als kaiserlicher Mathematiker und späterer Hofastronom des Feldherrn Wallenstein politisch lavieren. In ihm fand Hindemith eine Figur an einer ...
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Opernwelt Juni 2017
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Michael Stallknecht
Am Himmel der Salle Favart ist jetzt wieder alles möglich. Und auf den Brettern sowieso. Klar, dass Intendant Olivier Mantei und die Bühnentechnik zur Wiedereröffnung der Opéra Comique die generalüberholte Maschinerie tanzen lassen. Mit fliegenden Sängern, Seilartisten und blütenweiß schwebenden Stoffsegeln. Zwanzig Monate war das 1898 eingeweihte Haus an der Place...
Am Premierenabend soll sie triumphiert haben, aber schon in der zweiten Vorstellung musste sich Kathleen Eve Parker, die Ellen der Schweriner Inszenierung, von Sonja Mühleck vertreten lassen. Espen Fegran konnte den Captain Balstrode immerhin noch spielen, aber nicht singen, was für ihn Mark Morouse aus dem Off erledigte. Paul McNamara, der die Titelpartie sang,...
Gleich der erste Blick verrät es. Entsetzliches ist geschehen. Wie ein angeschossenes Reh hockt Mélisande, am ganzen Leib zitternd, in der Ecke jenes weiß gekachelten Raumes, dessen kalte Sterilität an das Interieur von Sarah Kanes «Gesäubert» erinnert, in seiner Mischung aus Schlachthaus, Pathologie und – versinnbildlicht durch ein kleines Holzkreuz – christlicher...
