Ohne Risiko kein Champagner
Ob er denn schon von seinen Malkünsten erzählt habe? Und dass er, wenn er in seine Heimatstadt Odessa zurückkehre, immer in der Kirche singe? Mama ist besorgt, ob auch alles gesagt wird, Papa hält sich zurück. Beide sind gewissermaßen Beisitzer bei diesem Interview. Den Sohn haben sie ein paar Tage zuvor auf der Bühne des Münchner Nationaltheaters erlebt – und sind nun stolz. Das können sie auch sein: Alexander Tsymbalyuk, 36 Jahre jung, ist auf dem Sprung zur Weltkarriere.
Erstmals eine stücktragende Rolle, gleich Mussorgskys «Boris Godunow», noch dazu an einem großen Haus, das ist ein Risiko – und war für den Ukrainer mit Wohnsitz Hamburg der Durchbruch. Er selbst formuliert es anders in seinem recht flüssigen Deutsch. «Es ist definitiv ein erster riesiger Schritt ins seriöse, große Fach», sagt Tsymbalyuk. «Ich präsentiere mich nun als Erwachsener.» Keine Angst vor dem Risiko also? «Wer nichts riskiert, der trinkt keinen Champagner.» Großes Gelächter der Dolmetscherin, um die Tsymbalyuk sicherheitshalber gebeten hat – und die nun einspringt: «Er meint wohl: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.»
Vor dem «Boris» war die Zeit der Banquos, Fafners oder Komture, vorzugsweise an seinem ...
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Opernwelt August 2013
Rubrik: Magazin, Seite 77
von Markus Thiel
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