Österliche Zweifel
«Denn siehe, Finsternis bedeckt die Erde und Wolkendunkel die Völker»: Die Worte des Jesaja, die Händel in seinem «Messiah» vertonte, scheinen prophetisch gerade auch für unsere Zeit. Und die Tumulte in der Londoner City anlässlich des nach rettenden Lösungen suchenden Wirtschaftsgipfels passierten ein paar hundert Meter Luftlinie vom Royal Opera House Covent Garden entfernt, an dem der «Messiah» am 23. März 1743 seine erste Londoner Aufführung erlebte.
«For, behold, darkness shall cover the earth, and gross darkness the people»: Florian Boesch, der 266 Jahre später dieses Rezitativ grimmig in den Zuschauerraum des Theaters an der Wien schleudert, hätte einer jener Wütenden sein können, die in London den Gierigen und Schamlosen an den Kragen wollten. In Claus Guths szenischer Exegese von Händels an sich handlungsfreiem, reflektivem Oratorium hat er die Rolle des revolutionären Außenseiters inne unter den vier Männern (Bejun Mehta, Altus, Richard Croft, Tenor, Florian Boesch, Bass, Paul Lorengar, Tänzer) und zwei Frauen (den Sopranen Susan Gritton und Cornelia Horak), deren Geschichte hier erzählt wird. Er will die Zustände, die einen der Männer zum Suizid führen, nicht hinnehmen.
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Selten wurde so viel Aufhebens um ein unartiges Kind gemacht: Für ihre konzertante Aufführung von Ravels dreiviertelstündigem Meisterwerk «L’Enfant et les Sortilèges» versammelten die Berliner Philharmoniker im November 2008 eine Sängerriege, mit der man eine ganze Serie von Galaabenden hätte bestreiten können. Auf dem Podium scharten sich Stars wie José Van Dam,...
