Neunzehnvierzehn

Strauss: Die Frau ohne Schatten Kassel / Staatstheater

Opernwelt - Logo

Man muss kein Kinderhasser sein, um die Geschichte von der «Frau ohne Schatten» schwer verdaulich zu finden. Selbst wer das Drama des unerfüllten Kinderwunsches ernst nimmt, kann sich überlastet fühlen, wenn zum Schluss der Richard-Strauss-Oper der Chor der Ungeborenen seine Stimme erhebt. Regisseure flüchten da gern mal in die Ironie und lassen die Kinderwagen anrollen.

In Kassel ist alles ganz anders. Kinder gibt es zwar auch, aber die zeigen schon im Spiel, was (an Bösem) in ihnen steckt und erschießen pantomimisch den gleichaltrigen Gefangenen.

Kinder sind eben auch potenzielles Kanonenfutter. Das zeigt diese Inszenierung von Michael Schulz deutlich bis überdeutlich – bei ihm könnte der Abend auch mit «1914» überschrieben sein. In der kargen Metallkonstruktion, die Dirk Becker auf die Bühne stellt, dominiert das Feldgrau des Krieges. Zu Beginn aber marschiert erst einmal die Amme (prägnant in jeder Hinsicht: Ulrike Schneider) stumm mit finstrem Blick die Bühne ab. Dreimal hin, dreimal her, dann schlagen die Orchestertutti ein wie Kanonendonner. Der Schrecken beginnt.

Der Kaiser zieht auf die Jagd wie in den Krieg: Seine Uniform (Kostüme: Renée Listerdal) könnte einem ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2014
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Rainer Wagner

Weitere Beiträge
Auf der Bühne kriegt man keinen Schluckauf

Haben Sie sich die Zeit nach Ihrer Intendanz so vorgestellt?
Nee. Jedenfalls nicht so arbeitsreich. Ich hatte schon gehofft, etwas mehr Freizeit zu haben und das Zuhause genießen zu können. Ich bin fast genauso viel auf Reisen wie zu Sängerzeiten.

Man könnte sich auch dagegen entscheiden.
Ja, das stimmt wohl. Aber wenn man im Alter noch so gefragt ist, ist das schon...

Hohe Energiewerte

Drei Jahrzehnte waren ihr zunächst vergönnt. Beginnend mit der Uraufführung im April 1801 zur Eröffnung des Teatro Nuovo in Triest, dem heutigen Teatro Verdi, bis zu einer noch verbuchten Produktion in Palermo anno 1831. Dann sah es lange düster aus für «Ginevra di Scozia» von Simon Mayr. Für den dreistündigen Zweiakter bediente sich der bayrisch-italienische...

Schlachthof

Hasst der Regisseur die Musik? Hadert er mit diesem Zwitterstück, das weder Oper noch Oratorium ist? Das Hector Berlioz als légende dramatique bezeichnete, das 1846 konzertant uraufgeführt, aber erst 1893, fast ein Vierteljahrhundert nach dem Tod des Komponisten, an der Pariser Opéra comique in Szene gesetzt wurde? Man könnte das meinen, wenn man sieht, wie der...