Nebensonnen
Zwei junge, hochbegabte Sopranistinnen, Anna Lucia Richter und Julia Sophie Wagner, brechen mit ihren ersten Solo-Alben aus dem Einerlei der Standard-Liedprogramme aus, auch wenn das Ergebnis nicht völlig überzeugt. Als Absolventin der Leipziger Musikhochschule hat Wagner für ihre von Eric Schneider einfühlsam begleitete CD bewusst Lieder der beiden Konservatoriums-Gründer Mendelssohn und Schumann ausgewählt und sie durch Kompositionen des dort von 1858 bis 1863 studierenden Edvard Grieg ergänzt.
Mendelssohns Lieder (unter den sechs aus op. 57 bzw.
71 ausgewählten Stücken am reizvollsten eine geradezu exaltierte Version von Goethes «Suleika» sowie Lenaus schwärmerische «Tröstung») sind selten zu hören, noch seltener Griegs «Sechs Lieder» op. 48, seine einzige Vertonung deutschsprachiger Texte. Beide Gruppen überzeugen – nicht zuletzt, weil Wagner in diesen überwiegend reflexiven Liedern entspannter singt als in Schumanns gemeinsam mit seiner Frau Clara komponiertem Zyklus «Liebesfrühling» op. 37 auf Texte Friedrich Rückerts. Hier gerät die Stimme, vor allem in der Höhe, immer wieder unter Druck, der Ton wird eng, oft flach, und auch die Deklamation lässt zu wünschen übrig. Das ist ...
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Opernwelt März 2016
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 20
von Uwe Schweikert
Einer, der aussehe wie Erich Wolfgang Korngold, könne nicht genial sein, soll Karl Kraus geätzt haben. Natürlich nicht in der «Fackel», sondern im Freundeskreis. Und deutlich unter seinem Niveau. Viel Gift spritzte damals über die Marmortische der Wiener Kaffeehäuser in der Auseinandersetzung um diesen Komponisten, der heftig umschwärmt, aber auch verachtet wurde,...
Nächstes Jahr ist Schluss. Schluss mit den anstrengenden, zeitraubenden Auftritten auf der Opernbühne. Die Marschallin will Renée Fleming noch einmal geben, in der kommenden Saison, wenn Christoph Waltz seine «Rosenkavalier»-Inszenierung aus Antwerpen an Covent Garden auffrischt (mit Andris Nelsons am Pult). Und dann ein letztes Mal an der Met. «Niemand soll sagen...
Es schwinden jedes Kummers Falten, solang des Liedes Zauber walten», dichtete Schiller 1795 fast stammbuchhaft. Etwa eineinhalb Jahrhunderte später freilich, nach 1945, galt das Lied vielen Tonschöpfern als antiquiert; sie ließen es allenfalls als Parodie weiterleben. Doch einige der avancierten Komponisten akzeptierten dieses Abdrängen in ein ästhetisches Getto...
