Glück, das mir verblieb
Einer, der aussehe wie Erich Wolfgang Korngold, könne nicht genial sein, soll Karl Kraus geätzt haben. Natürlich nicht in der «Fackel», sondern im Freundeskreis. Und deutlich unter seinem Niveau. Viel Gift spritzte damals über die Marmortische der Wiener Kaffeehäuser in der Auseinandersetzung um diesen Komponisten, der heftig umschwärmt, aber auch verachtet wurde, unter anderem wegen seines Hangs zum Eklektizismus. Anlass für Animositäten gegen ihn war nicht zuletzt sein Vater, der mächtige Kritiker Julius Korngold.
Auch hierzu gab Kraus seinen Kommentar: «Das Wort Familienbande hat einen Beigeschmack von Wahrheit.»
Konsequenterweise trägt der erste Liedzyklus Erich Wolfgang Korngolds – Lieder auf Gedichte Eichendorffs (1911) – den parodistisch-beschwörenden Titel «So Gott und Papa will». Doch Papa wollte zunächst nicht. Er verweigerte die Freigabe. Was eher auf väterliche Sturheit denn auf künstlerische Einsicht schließen lässt, denn der Knabe arbeitete sich bereits als Vierzehnjähriger mit großer Reife am hochromantischen Liederbe ab und verband hoch expressiven Tiefgang mit schlichter Schönheit. Den Beweis dafür tritt in diesem Recital der englische Liedspezialist und ...
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Opernwelt März 2016
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 23
von Gerhard Persché
Der verneinende Geist hat Konjunktur, auch auf Opernbühnen. Zu Beginn der Spielzeit München, an Pfingsten Baden-Baden – dazwischen jetzt Freiburg: Arrigo Boitos «Faust»-Oper mit der gezielten Titelwahl «Mefistofele» scheint Regisseure und Dramaturgen herauszufordern. «Und was in schwankender Erscheinung schwebt / Befestiget mit dauernden Gedanken.» Das Schweben...
Er war ein bisschen aus der Zeit gefallen, als er kurz nach «Pelléas et Mélisande» und wenige Jahre vor «Salomé» mit einem Melodramma im Stil des 19. Jahrhunderts herauskam: Francesco Cileas «Adriana Lecouvreur», 1902 an der Mailänder Scala mit Angelica Pandolfini und Enrico Caruso uraufgeführt, geriet zum großen Schwanengesang der alten Oper. Eine historische...
Die Sache liegt lange zurück. Sehr lange. Drei Jahrzehnte waren verstrichen, als sie wieder zum Vorschein kam. Allerdings erst auf den zweiten oder dritten Blick. Und sichtbar wurde sie nur für Zeitzeugen, denen plötzlich wieder einfiel, was damals wirklich vorgefallen war. Die wussten, was hinter der pauschalen Kritik an jenen damals jungen Opernregisseuren der...
