Nachschlag und Vermächtnis
Vor einem halben Jahrhundert sind zwei Aufnahmen von romantischen Wagner-Opern entstanden, die den Stempel zweier großer Dirigenten tragen. Rudolf Kempe stand 1967 bei den Bayreuther Festspielen in «Lohengrin» am Dirigentenpult, Otto Klemperer leitete im Jahr darauf in den Londoner Abbey Studios eine Produktion des «Fliegenden Holländers».
Kempe, der im ersten Sommer nach Wielands Tod dessen Bruder Wolfgang zur Seite stand, mit dem er einige Jahre zuvor schon den «Ring» erarbeitet hatte, schien für das Werk zusätzlich ausgewiesen durch eine Studioproduktion der EMI von 1963, die bis heute als die Referenzaufnahme gilt. Dass der jetzt bei Orfeo erstmals veröffentlichte Mitschnitt diese noch übertreffen würde, lässt sich nicht behaupten. Auch bei zweimaligem Hören konnte ich hier den typischen Kempe-Wagner-«Touch» nicht entdecken, der sich in einem ungemein schlanken und lyrisch betonten Klang ausdrückt. Das Geheimnisvolle, Klangsinnliche ist hier zurückgedrängt zugunsten eines aus früherer Zeit gewohnten (nationalen) Pathos, das über weite Strecken dominiert; das Orchester lässt die Muskeln spielen, die noch von Wilhelm Pitz einstudierten Chöre machen gewaltigen Effekt.
In der ...
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Opernwelt Mai 2018
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 34
von Ekkehard Pluta
In einer theaterinternen Typologie werden Repertoireopern gern Etiketten aufgeklebt: «Fidelio» und «Freischütz» sind heute immer heikle «Interpretationsfälle», der «Ring» ein Prüfstein, die «Soldaten» eine Herausforderung, die «Lustige Witwe» etwas für die Kasse - und «Hänsel und Gretel» etwas für die ganze Familie. Zur letzten Kategorie gezählt wird häufig auch...
«Man hält sie für eine Lügnerin, eine Hochstaplerin, ein hysterisches Weib – und sie ist schließlich so unglücklich! Ich wollte, alle hätten sie gern.» Mit diesen Worten verteidigte Janáček seine Heldin, die alterslose Emilia Marty alias Elina Makropulos. Er führt sie uns fast die ganze Oper hindurch vor, wie sie von außen gesehen wird: in bizarren Klangbildern,...
Der Meister war voll des (untergründig-ironisch getränkten) Lobes. «Was uns bei Bellini bezauberte», heißt es in einem Brief Richard Wagners an Cosima, nachdem er Wilhelmine Schröder-Devrient in «I Capuleti e i Montecchi» gehört hatte, «war die reine Melodie, der schlichte Adel und die Schönheit des Gesangs.» Besonders ein Stück des Belcantokönigs, mit dem er sich...
