Humanversuch

Vivan & Ketan Bhatti: Berlin Alexanderplatz am Landestheater Salzburg

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Eine Berliner Einraumwohnung – Wedding, Neukölln, das alte Kreuzberg, wir wissen es nicht. Aber alles ist da: Badzeile, Tisch, Stühle, Bett, eine Tapete mit anfechtbarem Muster. Doch dort sind auch noch Wandschlupflöcher, durch die seltsame Wesen hereingeistern. Meist rückwärts, mit Gespenster-Larven auf dem Hinterkopf. Zwei kleine Grabkreuze dräuen an der Rampe. Einmal fahren Schweinehälften aus dem Schnürboden hernieder.

Und dann gibt es im Bühnenbild von Anne Ehrlich noch diese Galerie, bevölkert von Wesen in anfangs gestreifter Kluft – ein antiker Chor der Gefängnisinsassen, der Leben und Leiden von Franz Biberkopf kommentiert. Vor allem Letzteres: Aus diesem Zimmer, wir ahnen es bald, wird er nie wieder herausfinden.

Ein Albtraum-Raum ist das, in dem sich «Berlin Alexanderplatz» auf eine Art Versuchsanordnung verdichtet. Die szenische Konzentration passt zur Vorgehensweise von Librettistin Christiane Neudecker. Die dampfte Alfred Döblins mal dumpfes, mal wetterleuchtendes Großstadt-Panorama auf wenige Figuren und Schlaglichter ein, mit einer literarischen Freiheit, die aus der überbordenden Vorlage eine funktionierende Opernfassung destilliert. 2022 kam das Stück in Bielefeld ...

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Opernwelt Juni 2026
Rubrik: Panorama, Seite 52
von Markus Thiel

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