Auf Augenhöhe
Wer in Düsseldorf das Opernhaus besucht, zumal wenn die Sonne scheu-warm vom Himmel auf den benachbarten Hofgarten herabblinzelt, kommt um den wohl größten Sohn der Stadt kaum herum. Und so muss man auch an diesem milden Spätwintertag sogleich an Heines Gedicht «Frühling» denken, an diese lichten, leichten Verse: «Die Wälder und Felder grünen, / es trillert die Lerch’ in der Luft, / Der Frühling ist erschienen / mit Lichtern und Farben und Duft.» In etwa so ist auch die Stimmung im Haus selbst: gelöst, freundlich, zugewandt. Kein Wunder, der Generalintendant feiert seinen 65.
Geburtstag, und schon am Vormittag hat eine Delegation seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein Ständchen dargebracht und ihm, nebst Blumen, Tiramisu sowie selbstgebackenem Kuchen, die seit Langem vergriffenen Schostakowitsch-Memoiren von Solomon Volkov aus dem Antiquariat besorgt und auf den liebevoll gedeckten Gabentisch gelegt.
Und dies nicht ohne Grund: Am Abend gibt es die sogenannte Förderkreis-Premiere der Neuinszenierung von Schostakowitschs «Lady Macbeth von Mzensk». Christoph Meyer mag das Stück, er mag auch die intelligent-zugespitzte Arbeit von Elisabeth Stöppler, die an der Rhein-Oper schon so ...
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Opernwelt April 2025
Rubrik: Magazin, Seite 72
von Jürgen Otten
Der Bühnenbildner, so Hugo von Hofmannsthal in seinem kleinen Essay «Die Bühne als Traumbild», «muss durchs Auge gelebt und gelitten haben. Tausendmal muss er sich geschworen haben, dass das Sichtbare allein existiert, und tausendmal muss er schaudernd sich gefragt haben, ob denn das Sichtbare nicht, vor allen Dingen, nicht existiert.» Jolanthe, die Titel - figur...
Der 17. Juni 1949 war einer jener Tage, den wohl keine Sängerin, die je die Rolle der druidischen Priesterin verkörpert hat, wird vergessen können. An diesem mild-warmen Sommertag stand im Teatro Colón zu Buenos Aires die (Musik)Welt für einen Moment still, atemlos staunend. An der Seite von Fedora Barbieri, Mario del Monaco und Giulio Neri sang Maria Callas die...
Sinnierend sitzt sie am äußersten Bühnenrand und lauscht der traurigen Weise des Englischhorns. Wo wir sind? Im dritten Aufzug von Wagners Weltendrama «Tristan und Isolde». Eigentlich ist dieser Akt auf Isoldes sehnlichst erwartete Ankunft in Tristans Heimat Kareol ausgerichtet. In Eva-Maria Höckmayrs Inszenierung am Staatstheater Darmstadt aber ist Isolde von...
