Mehr als nur mystischer Katholizismus
Selbst Ungläubigen muss der Begriff des Heiligen Geists in den Sinn kommen, wenn siebzig Minuten vor der Uraufführung einer Oper über den heiligen Franziskus auf dem Ulmer Bahnhofsvorplatz von St. Michael zu den Wengen und St. Georg herüber plötzlich Freudengeläut zu vernehmen ist. An diesem 8. Mai bedeutet das nichts anderes, als dass im fernen Rom ein Nachfolger für den am Ostermontag verstorbenen Papst Franziskus gewählt wurde.
Der erste Papst, der diesen Namen wählte – erstaunlich, denn wenn es um die Caritas in dieser Kirche geht, dann stehen wenige dafür ein wie der Ordensgründer aus Assisi, ebendort 1181 oder 1182 geboren und 1226 gestorben. Mehrere Visionen bekehrten den Sohn eines reichen Tuchhändlers zu einem Leben in Armut, als Wohltäter der Aussätzigen und Armen das Evangelium verkündend – barfuß und in einer von einem Strick zusammengehaltenen Kutte.
Ein Stoff für einen katholischen Komponisten wie Charles Tournemire, der allenfalls unter Organisten ein gängiger Name ist. Dass er vier Opern komponiert hat, verzeichneten allein Musiklexika. Bis am 15. Dezember 2022 Tournemires «La Légende de Tristan» vom Theater Ulm uraufgeführt wurde, 96 Jahre nach der Fertigstellung. ...
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Opernwelt Juli 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Götz Thieme
TV, STREAMS, KINO
arte
05.07. – 13.45 Uhr
Enrico Caruso – Die ewige Stimme
Das Leben Enrico Carusos verlief ähnlich melodramatisch wie die Handlung zahlreicher Opern. Die Verbreitung seiner luziden Stimme durch die Schallplatte machte den Tenor zu einem der ersten internationalen Stars der Szene. Die Dokumentation spürt dem Mythos nach.
13.07. – 23.10 Uhr
Erik...
Es war ein Ritterschlag. Franz Lehár, der von Zeitgenossen wie Karl Kraus oder Richard Strauss Geschmähte, durfte am 20. Jänner 1934 seine Uraufführung an der Wiener Staatsoper landen, dem musikalischen Musentempel schlechthin der alten k. u. k. Monarchie. Nicht Oper, nicht Operette: «Musikalische Komödie» hat der damals bald 64-Jährige sein letztes Bühnenwerk...
Sinnsuche
Eine Oper? Noch vor einigen Jahren war Rebecca Saunders sicher, dass dieses Genre nichts für sie sei. Zu komplex, zu weit weg von ihren Idealen. Nun hat die britische Komponistin ihre Meinung geändert. An der Deutschen Oper Berlin kommt ihr Musiktheater «Lash» auf ein Libretto, das sie gemeinsam mit dem Videokünstler Ed Atkins geschrieben hat, heraus. Wir...
