Mehr als nur mystischer Katholizismus
Selbst Ungläubigen muss der Begriff des Heiligen Geists in den Sinn kommen, wenn siebzig Minuten vor der Uraufführung einer Oper über den heiligen Franziskus auf dem Ulmer Bahnhofsvorplatz von St. Michael zu den Wengen und St. Georg herüber plötzlich Freudengeläut zu vernehmen ist. An diesem 8. Mai bedeutet das nichts anderes, als dass im fernen Rom ein Nachfolger für den am Ostermontag verstorbenen Papst Franziskus gewählt wurde.
Der erste Papst, der diesen Namen wählte – erstaunlich, denn wenn es um die Caritas in dieser Kirche geht, dann stehen wenige dafür ein wie der Ordensgründer aus Assisi, ebendort 1181 oder 1182 geboren und 1226 gestorben. Mehrere Visionen bekehrten den Sohn eines reichen Tuchhändlers zu einem Leben in Armut, als Wohltäter der Aussätzigen und Armen das Evangelium verkündend – barfuß und in einer von einem Strick zusammengehaltenen Kutte.
Ein Stoff für einen katholischen Komponisten wie Charles Tournemire, der allenfalls unter Organisten ein gängiger Name ist. Dass er vier Opern komponiert hat, verzeichneten allein Musiklexika. Bis am 15. Dezember 2022 Tournemires «La Légende de Tristan» vom Theater Ulm uraufgeführt wurde, 96 Jahre nach der Fertigstellung. ...
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Opernwelt Juli 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Götz Thieme
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Der Mensch, so hat es, sehr spitzfindig und süffisant, einmal T. S. Eliot formuliert, ist nicht imstande, viel Realität zu ertragen. Was häufiger, als man gemeinhin denken sollte, zur Folge hat, dass dieser Mensch dann in eine Traumwelt entflieht, dorthin, wo er zumindest das Gefühl, eine Ahnung von Freiheit hat, auch wenn dies nur eine Fata Morgana ist, die ihm...
Es ist nicht mehr als ein Wort, ein Wörtchen nur – der winzige Seufzer «Ah!». Was Camille Saint-Saëns daraus aber macht in der Vokalise «Le Rossignol et la rose» aus seiner weithin unbekannten Bühnenmusik zu Jane Dieulafoys Schauspiel «Parysatis», weist ihn als ingeniösen Komponisten aus. Wie auf einer Wolkenbank schwebt die Stimme der Nachtigall, von...
