Kein Licht, nirgends
Die Landschaft, die Seelen – beide gleichermaßen verrottet und im Absterben, nur dürftig übertüncht mit buntfleckigen Erinnerungen einer vorgeblich besseren Vergangenheit: Lorenzo Fioronis Leipziger «Pique Dame»-Inszenierung entwirft eine böse Dystopie, in der nicht einmal mehr die stramm gedrillten Kinderscharen Anlass zur Hoffnung geben. Der Blick des Schweizer Regisseurs auf Tschaikowskys vorletzte Oper ist dabei viel eher atmosphärisch als soziologisch bestimmt, was dank seines prächtig kooperierenden Ausstattungsteams ein hohes Potenzial an Suggestionskraft verbürgt.
Katharina Gault hat Kostümzitate mehrerer Epochen und ziemlich viele, oft auch dissonierende Farbkreise in einer großen Collage zusammengeschnitten. Es entsteht eine Art kribbelnde Orientierungslosigkeit, wie sie einem ebenso – ins abgründig Düstere gewendet – aus Sebastian Hannaks Bühnenbildern (von Sebastian Alphons stimmungsvertiefend ausgeleuchtet) entgegentritt: braunschwarze, manchmal aschig überhauchte Lavafluten, in Unfruchtbarkeit erstarrt wie die in ihnen wurzelnden, nicht mehr tragenden und höchsten noch als Ersatz-Grabkreuze taugenden Weinstöcke. Manchmal verschieben sich ihre Schichtungen ...
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Opernwelt Juli 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 28
von Gerald Felber
So, wie er dastand, baumlang, erhaben, unantastbar und würdevoll, wusste man im gleichen Moment: Dieser Mann, der anscheinend durch nichts aus der Ruhe zu bringen war, verdiente, nein: er gebot Respekt. Zur Rolle passte es. An diesem milden Frühlingsabend kurz vor der Jahrtausendwende sang und spielte Matti Salminen an der Deutschen Oper Berlin in Götz Friedrichs...
Sinnsuche
Eine Oper? Noch vor einigen Jahren war Rebecca Saunders sicher, dass dieses Genre nichts für sie sei. Zu komplex, zu weit weg von ihren Idealen. Nun hat die britische Komponistin ihre Meinung geändert. An der Deutschen Oper Berlin kommt ihr Musiktheater «Lash» auf ein Libretto, das sie gemeinsam mit dem Videokünstler Ed Atkins geschrieben hat, heraus. Wir...
Nach dieser Premiere stellt sich vor allem eine Frage: Weshalb ist Michael Balke «nur» Erster Gastdirigent am Gärtneplatzttheater? Denn was man gerade erlebt hat, in Donizettis «L’elisir d’amore», war ein Musterbeispiel für ein symbiotisches Musizieren auf höchstem Niveau. Orchester und Dirigent scheinen sich bestens zu verstehen, alles wirkt selbstverständlich und...
