Mehr als eine quantité négligeable
Gestandene Wagnerianer werden sich über Anno Mungens neues Buch gewiss noch weit mehr erregen als 2002 über Brigitte Hamanns monumentale Monographie «Winifred Wagner oder Hitlers Bayreuth». Der Leiter des zur Universität Bayreuth gehörigen Thurnauer Forschungsinstituts für Musiktheater geht in der Spurensuche zum Zusammenhang von Kultur und Politik im Dritten Reich einen entscheidenden Schritt weiter als Hamann und fragt, was den nationalsozialistischen Staatskomponisten Wagner mit dem Massenmord in den Konzentrationslagern verbindet.
Mit dem englischen Kunsthistoriker Peter Adam ist Mungen der Überzeugung: «Man kann die Kunst des Dritten Reiches nur durch die Linse von Auschwitz erfassen.» Was dabei in den Blick gerät, ist eine in den Fakten zwar höchst diffuse, allemal aber ernüchternde und in zahllosen Statements von Beteiligten erschütternde Gemengelage.
Mungen verfolgt gleichermaßen die institutionellen Voraussetzungen wie die individuellen Vernetzungen, aber auch das ideologische Geflecht, das Wagner eine politische Wirkung verschaffte, wie sie nie zuvor ein Künstler besaß. Sechs Skizzen gelten exemplarischen Protagonisten: Hitler, dessen frühe Wagner-Begeisterung der ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juli 2026
Rubrik: Magazin, Seite 85
von
Wie alle barocken Seria-Opern ist auch Händels «Sosarme» ein Sängerfest, in dem sich die Da-Capo-Arien der Solisten wie Perlen auf einer Schnur aneinanderreihen. Dennoch macht der selten aufgeführte, auch auf Tonträgern vernachlässigte «Sosarme» eine Ausnahme, weil es keine der 21 Solonummern ist, die sich besonders einprägt, sondern das Duett «Per le porte del...
Anders als in anderen Ländern Europas verbringt der aufrechte französische Opernfan selbst den Heiligen Abend gern im Opernhaus oder Konzertsaal. Ob allerdings auch Napoleon ein solcher Aficionado war, als er beschloss, am 24. Dezember 1800 der französischen Erstaufführung von Haydns «Schöpfung» (alias «La Création du monde») in der Pariser Oper beizuwohnen, darf...
Es ist nur eine Karikatur. Aber sie erzählt viel über das Demokratie-Verständnis einer Partei, die demnächst auf Länderebene mit absoluter Stimmenmehrheit regieren könnte. Die Zeichnung, die unter dem Titel «Neulich in Sachsen-Anhalt» einen politischen F.A.Z.-Artikel über den drohenden Machtwechsel in diesem Bundesland ziert, zeigt zwei alte, grimmig glotzende...
