Mehr als ambitioniert

Verdis «Otello» aus London, mit Antonio Pappano am Pult und Jonas Kaufmann in der Titelrolle

Opernwelt - Logo

Schlag nach bei Shakespeare: «Better once than never, for never too late.» Dies sagt freilich nicht Othello, sondern Petruchio in «The Taming of the Shrew». Doch das Zitat zielt hier ohnehin nicht aufs Stück, sondern auf mögliche Überlegungen von Jonas Kaufmann, dem Debütanten in der Titelpartie von Verdis «Otello» in dieser Produktion an Covent Garden.

Einmal besser als keinmal, und besser spät als nie, mag auch er sich gedacht haben, als man ihm diese Rolle vorschlug. Zwar ließ Kaufmann sich Zeit damit, legte sie sich klug zurecht.

Dennoch wurde von einigen Rezensenten der Premiere vor einem Jahr infrage gestellt, ob es der richtige Entschluss gewesen sei, ob er diese Partie, die der bergsteigerischen Bezwingung eines Achttausenders vergleichbar ist, auch weiterhin in seinem Repertoire führen sollte. Oder ob die Luft da oben doch zu dünn werde. Der Hörer dieser DVD kann ihm diese Entscheidung nicht abnehmen.

Kaufmanns Otello mag sich live im Haus anders angehört haben – auf jeden Fall findet sich der Eindruck des Nur-beinahe-Gelungenen in der elektroakustischen Aufzeichnung nicht unbedingt bestätigt. Der Münchner Tenorstar ist zweifellos mehr als bloß ein ambitionierter ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2018
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 24
von Gerhard Persché

Vergriffen
Weitere Beiträge
Drama der Herzen

Mit den ersten Moll-Akkorden der Ouvertüre, den prominent auffahrenden, in diesem Werk so wichtigen Paukenwirbeln, ist alles entschieden: Es sollte ein orchestral phänomenaler Premierenabend in Frankfurt werden. Antonino Fogliani, der mit kreisender, aber deutlicher Gestik an gute alte italienische Kapellmeistertradition erinnerte, an Dirigenten wie Giuseppe...

Lob des Handwerks

Da sitzt er an der Orgel, im ersten Theater auf diesem Grund.» Der Operndirektor der Londoner Royal Opera schreitet sein Büro ab und erzählt von einer geplanten Händel-Serie. Die Bilder hat Oliver Mears sorgsam ausgewählt: Sie sagen viel aus über ihn, seine Suche nach einem Profil für Covent Garden. «Beggar’s Opera», Theaterbrand, Wiederaufbau. Mears...

Schießen Sie nicht auf den Pianisten

Ein gutes Tier ist das Klavier. Still, friedlich und bescheiden steht es auf Gary McCanns Theater-im-Theater-Bühne für Christian Räths Neuinszenierung des «Freischütz» an der Wiener Staatsoper, wird zu einer Art stillem Teilhaber des Abends. Gelegentlich stürzt der Virtuos’ darauf los – in Gestalt von Max, der in dieser Produktion nur nebenbei Jäger, im Hauptberuf...