Masse und Wahn

Dmitri Tcherniakov lotet an der Berliner Staatsoper die menschlichen Härten des «Parsifal» aus; Daniel Barenboim hält im Graben die Zeit an

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Wieder am 8. und 14. April 2017

Die Buhrufe am Ende des Premierenabends bleiben unverständlich. Vergessen offenbar, dass die Berliner Staatsoper und ihr Publikum dem Russen Dmitri Tcherniakov so glänzende Inszenierungen wie Rimsky-Korsakows «Zarenbraut» oder Prokofjews «Spieler» verdanken. Berlins Wagnerianer zielten mit dem Protest gewiss auf den Regisseur, aber auch auf den Dirigenten – just als Barenboim auf der Bühne des Schiller Theaters seine Staatskapelle zum Applaus um sich scharte.

Hat er die schwerblütige «Parsifal»-Musik bei aller Klangpracht mit unmäßiger Ritenuto-Langsamkeit beladen, aus der Balance gebracht? Nimmt man dem Musikchef übel, dass er höchstselbst Tcherniakov einlud, die Regie zu übernehmen? Hat dieser jetzt das schwierige, sperrige Stück fehlinterpretiert?

Keineswegs. Der Regisseur aus Moskau, Jahrgang 1973, hat Wagners «Parsifal»-Botschaft mit Geist und Kraft auf den Begriff gebracht und in starke Bilder gefasst – mit einer klaren Abweichung vom Original: Tscherniakov verzichtet auf die mythische Erlösungsdimension des «Bühnenweihfestspiels». Seine Deutung zielt auf das desolate Menschheitsdrama des «Parsifal», das zeigt schon der erste Blick auf die Bühne, die Tscherniakov selbst ...

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Opernwelt Mai 2015
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Wolfgang Schreiber

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