Chapeau!

Paris besinnt sich auf vergessene Stücke der eigenen Operntradition: Massenets «Le Cid» mit Roberto Alagna im Palais Garnier, Hérolds «Le Pré aux clercs» mit Michael Spyres an der Opéra Comique

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Täuscht es, oder hat Jules Massenet die Aktschlüsse seiner Werke tatsächlich zum Reinklatschen komponiert? In Paris funktioniert es. Die letzten Takte des «Cid» gehen bruchlos im Jubel eines kompositorisch zum Klatschen verleiteten Publikums auf. Man dürfte früher noch stärker derlei Ritualen gefolgt sein – als man sie noch gewohnt war. Der letzte «Cid», nachdem das Werk 1885 mit Jean de Reszke in der Titelrolle hier uraufgeführt wurde, stand 1919 auf dem Spielplan des Palais Garnier.

Über viele Jahrzehnte hatte man die eigene Tradition brachliegen lassen, nun stand in Frankreichs Kapitale die Wiederentdeckung von gleich zwei bedeutenden Werken aus dem 19. Jahrhundert an.

Beginnen wir mit Massenet. Zu lange wurde der technisch zuverlässigste Konfektionär der Belle Époque als Ausweichlager für italienische Sänger missbraucht, denen es auf dem eigenen Felde zu langweilig geworden war. Genau genommen, denkt man beim «Cid» heute an Plácido Domingo oder José Cura, die dem maurenzwingenden Heerführer das richtige Hispano-Heißblut, nicht aber die französische «clarté» leihen konnten. Das merkt rasch, wer Roberto Alagna – in Frankreich geboren und aufgewachsen – bei seinem zweiten Übertritt ...

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Opernwelt Mai 2015
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Kai Luehrs-Kaiser

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