Mal ehrlich Mai 2018

Opernwelt - Logo

Die letzten Wochen habe ich in Glasgow verbracht, als Monsieur Triquet in «Eugen Onegin» an der Scottish Opera. Mein erster Tag ließ sich zunächst gut an. Ich fand den Dirigenten mit ein paar Korrepetitoren vor. Der Bass, der Gremin singt, war gerade fertig und am Aufbrechen; weil wir alte Freunde sind, gab es die obligatorischen Albernheiten und viel Gelächter.

Normalerweise geht es in der ersten musikalischen Probe ziemlich angespannt zu. Vor allem, wenn man mit dem Dirigenten noch nie gearbeitet hat, fühlt es sich wie Vorsingen an.

Was verbirgt sich hinter der guten Miene, fragt man sich; was denkt der Mann? Geht er im Kopf schon sein Adressbuch durch, auf der Suche nach Ersatz: «Ist das alles, was der Kerl drauf hat?»

Diesmal war ich – nach besagter freundlicher Begrüßung – eigentlich ganz locker. Gremin verabschiedete sich, ich machte mich bereit. Der Dirigent griff zum Stab, der Pianist klimperte ein paar Einleitungstakte. Schon näselte ich los, in schwer französisch gefärbtem Englisch: «By chance, I ’ave wiz me a song ...» Der Dirigent starrte mich ungläubig an. Seine Hand blieb in der Luft stehen, dem Pianist entglitten die Tasten. Mir schoss das Blut ins Gesicht. War ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2018
Rubrik: Aus dem Leben eines Taugenichts, Seite 79
von Christopher Gillett

Weitere Beiträge
Impressum Mai 2018

59. Jahrgang, Nr 5
Opernwelt wird herausgegeben von
Der Theaterverlag – Friedrich Berlin

ISSN     0030-3690
Best.-Nr.     752311

Redaktion Opernwelt
Nestorstraße 8-9, 10709 Berlin
Tel.: +49(0)30/25 44 95 55
Fax: +49(0)30/25 44 95 12
redaktion@opernwelt.de
www.der-theaterverlag.de/opernwelt



Redaktion
Jürgen Otten, Albrecht Thiemann (V. i. S. d. P.)

Redaktionsbüro
Andrea Kaiser...

Kühne Kontraste, scharfe Konturen

Welcher Intendant würde nicht gerne über die Gabe der Bilokation verfügen? Vorbildlich darin ist Serge Dorny. Omnipräsent und in bester Laune jagt er durch sein gläsern-schwarzes Opernhaus, von Talk zu Talk, von Interview zu Interview. Die Pressekonferenz in München, die sein Engagement ab 2021 bekannt gab, ist erst wenige Tage her. Fast könnte man über all dem...

Zurück zu den Anfängen

Drei Jahrzehnte lang hat Pierre Audi die Nationale Opera in Amsterdam geleitet – eine exorbitante Erfolgsgeschichte. Als Regisseur verabschiedete er sich geradezu bescheiden, dazu nicht einmal im Stammhaus, sondern im am Hafen gelegenen kleineren Muziekgebouw aan’t IJ; genau die richtige Spielstätte für Stefano Landis tragicommedia pastorale «La morte d’Orfeo» von...