Mahnung mit Wirkung
Lemberg, das heutige Lwiw in der West-Ukraine, war ein kulturelles Zentrum des Habsburgerreiches und blieb es auch nach dessen Untergang. Ende der 1920er-Jahre hatte Józef Koffler dort eine Professur für atonale Harmonielehre und Komposition inne; er führte die Ideen der Schönberg-Schule weiter. Wie kommt es, dass sein Musiktheater «Alles durch M. O. W.
» (1932), von dem immerhin ein Klavierauszug existiert, erst jetzt am Theater Freiburg, der Partnerstadt von Lwiw, zur Uraufführung gelangt?
Der Freiburger Kompositionsprofessor Johannes Schöllhorn setzt sich seit Jahrzehnten mit der Musik des 1944 von den Nazis ermordeten Künstlers auseinander. Da die Partitur als verschollen gilt, hat Schöllhorn eine eigene Instrumentation verfasst. Ausgehend von einem Salonorchester mit ein paar unkonventionellen Ergänzungen – Akkordeon statt Harmonium, außerdem eine Harfe – bringt sie Kofflers Musik kongenial zur Entfaltung. «Alles durch M. O. W.» ist ein musikalisches Chamäleon. Stilistisch angesiedelt zwischen Operette, Revue und Kantate, wird der Einakter von zeitgenössischen Tanzformen dominiert: Ragtime, Walzer, Habenera ... Weit stärker ins Atonale verfremdet als etwa bei Weill, ist die ...
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Opernwelt August 2025
Rubrik: Panorama, Seite 53
von Alexander Dick
Den Begriff kennen wir aus der Philosophie des 17. Jahrhunderts. Anno 1649 verfasste René Descartes seinen legendären Tractatus logicus «Les Passions de l’âme» (Die Leidenschaften der Seele) und legte damit ein Traktat vor, das, wiewohl nur subkutan, erhebliche Wirkung vor allem auf jene Kunstform ausübte, die sich a priori glänzend eignete für diesen prekären...
Drei Schwestern: Undine, Rusalka, Melusine. Sämtlich entstammen sie der Märchenwelt und gelangen, um ihr Glück zu finden, zu den Menschen; sämtlich scheitern sie an dem, was Menschsein ausmacht. Zu unterschiedlich sind die Vorstellungen von der Liebe, vom Leben und davon, was Natur bedeutet. Das erkannte auch Yvan Goll, als er Anfang der 1920er-Jahre den...
Am Ende zerren italienische Freiheitskämpfer ihre Symbolfigur und deren Geliebten vor das Erschießungskommando. Eine Gewehrsalve streckt die Hohepriesterin der Revolution und den Kommandeur der österreichischen Fremdherrscher nieder. Nichts ist es mit dem romantischen Liebestod. Olivier Py verklammert in seiner Inszenierung zwei geschichtliche Momente: die...
