Magischer Expressionismus

Vladimir Jurowski und Barrie Kosky fiebern an der Bayerischen Staatsoper mit Prokofjews «Feurigem Engel»

Opernwelt - Logo

Eigentlich ein ganz normaler Ort, so ein Hotelzimmer. Das gilt selbst dann, wenn es mit einem Konzertflügel und Wandschmuck à la Louis XV., mit Flachbildschirm und Baldachin überm Bett ausgestattet ist.

Doch normal ist wenig von dem, was in den zwei pausenlosen Stunden an der Bayerischen Staatsoper in diesem Hotelzimmer geschehen wird: Da macht sich schon bald das Bett selbstständig, darunter taucht eine zitternde Frau im Pyjama auf; da saust plötzlich die Stuckdecke gen Himmel und schieben sich die Wände derart bedrohlich zusammen, dass von all den herrlichen Möbeln nur eine riesige Müllhalde bleibt. Was die Bühnenbildnerin Rebecca Ringst als ebenso durchgestylte wie dynamische Raumkomposition für Sergej Prokofjews Oper «Der feurige Engel» entworfen hat, demonstriert genau das, was auch Regisseur Barrie Kosky in dem während der letzten Jahre wieder häufiger aufgeführten Stück sieht: Er will die magischen, psychotischen, parapsychologischen und religiösen Motive nicht auflösen, sondern im Kontrast mit dem Setting einer vermeintlich durch und durch aufgeklärten Gegenwart noch steigern.

Schließlich war die Moderne bereits auf dem Höhepunkt, als Prokofjew in den 1920-er-Jahren den zur ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Michael Stallknecht

Weitere Beiträge
Aufgeheitert

Zunehmende Lebenserfahrung kann die Menschen ja in zwei Richtungen lenken: Die einen werden verbissen, die anderen altersmilde. Jürgen Flimm gehört zur zweiten Kategorie. Bewundernswert, mit welcher Gelassenheit er sein Amt als Berliner Staatsopernintendant ausfüllt, als Nummer 2 hinter seinem allmächtigen Musikchef Daniel Barenboim. Was seine Nachfolge betrifft,...

Aus der Mottenkiste

Ihre erste gemeinsame Arbeit für die Musiktheaterbühne wurde vor 15 Jahren in San Francisco uraufgeführt: «Dead Man Walking». Seitdem sind Jake Heggie und sein Kompagnon Terence McNally ein gefragtes Gespann. An der Dallas Opera meldeten sich der Erfolgskomponist und der Erfolgsdramatiker unlängst mit ihrer jüngsten Errungenschaft zu Wort: «Great Scott». Eine, um...

'n kleenes Stückchen Glück

Mit diesem Stück fing alles an: «My Fair Lady» war der erste echte Musical-Erfolg in Deutschland. Eine Kulturnation, die traditionell zwischen der «ernsten», also der wertvollen, und der «unterhaltsamen», also zweitklassigen, Kunst unterscheidet, musste fast zwangsläufig mit dem aus Übersee importierten Genre fremdeln. Doch Frederick Loewes Stück spielt in...