Magischer Expressionismus
Eigentlich ein ganz normaler Ort, so ein Hotelzimmer. Das gilt selbst dann, wenn es mit einem Konzertflügel und Wandschmuck à la Louis XV., mit Flachbildschirm und Baldachin überm Bett ausgestattet ist.
Doch normal ist wenig von dem, was in den zwei pausenlosen Stunden an der Bayerischen Staatsoper in diesem Hotelzimmer geschehen wird: Da macht sich schon bald das Bett selbstständig, darunter taucht eine zitternde Frau im Pyjama auf; da saust plötzlich die Stuckdecke gen Himmel und schieben sich die Wände derart bedrohlich zusammen, dass von all den herrlichen Möbeln nur eine riesige Müllhalde bleibt. Was die Bühnenbildnerin Rebecca Ringst als ebenso durchgestylte wie dynamische Raumkomposition für Sergej Prokofjews Oper «Der feurige Engel» entworfen hat, demonstriert genau das, was auch Regisseur Barrie Kosky in dem während der letzten Jahre wieder häufiger aufgeführten Stück sieht: Er will die magischen, psychotischen, parapsychologischen und religiösen Motive nicht auflösen, sondern im Kontrast mit dem Setting einer vermeintlich durch und durch aufgeklärten Gegenwart noch steigern.
Schließlich war die Moderne bereits auf dem Höhepunkt, als Prokofjew in den 1920-er-Jahren den zur ...
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Opernwelt Januar 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Michael Stallknecht
Das kann sich nur ein Opernhaus mit einem richtig guten Chor leisten: die Sänger in Parkett und Rängen unters Publikum zu mischen, ohne dass homogener Sound und differenzierte Musikalität verloren gehen. Auf William Spauldings exzellente Truppe an der Deutschen Oper ist da Verlass. Die Chöre in Verdis «Aida», von der Saalmitte aus gehört – in Benedikt von Peters...
Während der Ouvertüre zu Wagners «Fliegendem Holländer» erregt zunächst – da wir ziemlich nahe am Orchestergraben sitzen – einer der Kontrabassisten der Musiciens du Louvre unsere Aufmerksamkeit. Der Mann gibt offenbar sein Leben für die Dämonen dieser Musik, lässt den Bogen mit enormem Körpereinsatz über die Saiten tanzen. Spannend. Oben auf der Bühne erscheint...
Nein, das Datum wollen wir mal nicht so ernst nehmen. «Das schlaue Füchslein», so wie es in Darmstadt drei Tage vor dem ersten Advent zur Premiere kam, ist kein putziges Weihnachtsmärchen. Es ist aber sehr wohl ein Abend mit Herz und Gemüt, einer, der handwerkliche Souveränität mit Versenkung in die Sache kombiniert. Man könnte auch sagen: einer, der Klarheit und...
