Lust auf die Knochenmühle

Der neue Generalmusikdirektor der Wiener Staatsoper, Franz Welser-Möst, über den Opernalltag, Probeneffizienz, Rotation im Graben und das «schönste» Opernorchester der Welt

 

Herr Welser-Möst, neue Besen, sagt man, kehren gut. Nun haben Sie hier an der Wiener Staatsoper schon die letzten Jahre musikalisch  mitgeprägt. Was könnte Ihrer Meinung dennoch besser werden?
Zunächst einmal hat diese Tätigkeit mir die Chance gegeben, das Haus sehr gut kennenzulernen. Natürlich, wie die Amerikaner sagen, «there’s always room for improvement». Gerade im musikalischen Bereich hat dieses Haus, vor allem was das Sängerensemble betrifft, das ja immerhin 50 Mitglieder hat, einigen Betreuungsbedarf.

Da werde ich mich darum kümmern – das geht weit darüber hinaus, dass ich, wie es in meinem Vertrag steht, 35 Abende dirigiere. Ich bin wahrscheinlich der erste Musikalische Leiter hier, der sich wirklich auch um einzelne Sänger kümmert – das scheint sehr altmodisch und war lange nicht der Brauch. Aber da kann man über Jahre hin einiges an den Sängerentwicklungen verändern.

In seinem Buch erwähnt Ioan Holender, dass Sie eigentlich sein Nachfolger hätten werden sollen. Sie seien enttäuscht gewesen, dass es dann nicht so gekommen ist.
Das ist ein Beispiel dafür, wie unterschiedlich Wahrnehmungen sein können. Wenn ich enttäuscht gewesen wäre, wäre ich ja dumm, das Amt des ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Jahrbuch 2010
Rubrik: Wiener Welt, Seite 52
von Gerhard Persché

Vergriffen
Weitere Beiträge
Kunst und Ritual

Christoph Schlingensief war ein Passions-Künstler und Ritual-Verweser. Vieles bei ihm kam aus Wagners Opernwelt – und führte wieder in diese zurück: Das Gesamtkunstwerk wird globalisiert und lokalisiert zugleich, das gilt für Bayreuths Grünen Hügel wie für die Grünen Hügel Afrikas. Schlingensiefs Tod zwingt erneut zum Nachdenken über Kunst und Leben.

Es war gewiss...

Mehr Premieren, mehr Proben, mehr Stücke

 

Herr Meyer, in einem Interview sagten Sie, das Budget der Staatsoper sei «nicht in Ordnung» – die Wiener Staatsoper erhalte zur Zeit nicht einmal die Hälfte der Subvention der Pariser Oper. Glauben Sie, das ändern zu können?
Was ich gemeint habe, ist, dass die Staatsoper seit Jahren keine Erhöhung bekommen hat. Auch wenn die Inflation in den letzten 20 Jahren ...

Ein Ort der Überraschung

In diesen Tagen hätten die Proben zu «Metanoia» mit Christoph Schlingensief beginnen sollen. Christoph hinterlässt ein Vakuum. Er ist nicht ersetzbar. Das gilt für seine Person, aber auch für den Regisseur generell. Wir Sänger sind immer ersetzbar, auch kurzfristig. In den letzten Wochen habe ich bei den Bayreuther Festspielen sechsmal die Elsa gesungen – mit drei...