Aus dem Leben eines Taugenichts
Normalerweise schreibe ich diese Kolumne erst, wenn ich mich beruhigt habe. Und weil ich, wenn auch kein sonniges, so doch ein recht ausgeglichenes Gemüt habe, fällt mir das meist nicht weiter schwer. Aber diesmal bin ich stinksauer. Auf Englisch geht das so: Man legt die Stirn in schwache Falten, wiegt den Kopf und gibt alle paar Stunden ein leises Zisch- oder Schnalzgeräusch von sich. Tssss! Ich weiß, Sie alle fühlen mit mir.
Worum geht’s? Neulich flog ich für eine Neuproduktion nach Spanien.
Am nächsten Morgen hielten Regisseur und Ausstatter zerstreut ein Konzeptionsgespräch ab, im Anschluss leitete der Bewegungschoreograf ein paar Kennenlernen-Spiele an. Die stießen schnell an ihre Grenzen, weil leider nur ein Teil der Mannschaft anwesend war. An alle Kollegen, die jetzt aufhorchen: Nein, das Management der abwesenden Kollegen hatte es nicht geschafft, die Intendanz zu beschwatzen. Vielmehr hatte man die Probenphase von sieben auf acht Wochen verlängert, und es konnten eben nur die kleinen Fische, die mit viel Zeit. Also ich zum Beispiel. Ich wiederhole: acht Wochen! Nicht vier, nicht fünf, nicht sechs: acht! Das mag aus künstlerischer Sicht ein Luxus sein, ...
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Dass Mozarts «Così fan tutte» den Untertitel «La scuola degli amanti» trägt, also «Die Schule der Liebenden», kann man als Hommage an Antonio Salieris opera buffa «La scuola de’ gelosi» deuten. Oder als Kampfansage: Denn die 1779 in Venedig uraufgeführte «Schule der Eifersüchtigen» hatte sich zu einem der größten Publikumserfolge des italienischen Komponisten...
Der enthusiastische Dilettant war seit je ein geheimer König im Musik- und Theaterleben des Vereinigten Königreichs. Deswegen scheint es nicht so unwahrscheinlich, dass Henry Purcells «Dido and Aeneas» zunächst als Schulaufführung präsentiert wurde, und zwar 1689 in Josias Priests Mädchenpensionat in Chelsea. Priest war freilich zugleich Ballettmeister am...
Die Zauberin ist sauer. Sieht sich verhöhnt. Von der Welt, von den Menschen. Zutiefst gekränkt sind Herz und Verstand, ach was, das ganze Ich. Und exakt so klingt Alcina, wenn sie anhebt zu ihrer Arie «Ah, mio cor, schernito sei!» – von Qualen durchglüht. Sonya Yoncheva nutzt die sich bietende Gelegenheit von Beginn an: Inbrünstig seufzend, mäandert sie,...
