Liebevoll-achtsam
Mit Vertrauen in Libretto und Musik, erzählt aus der Entstehungszeit heraus und trotzdem auch heute verständlich: Das ist diese von Dirk Löschner inszenierte Zwickauer Puccini-«Bohème» – ein Abend, um tief durchzuatmen. Es gibt sie also noch, die einfachen Dinge, und das sogar auf deutschsprachigen Bühnen.
Keine verquasten Mätzchen, keine Ambitionen, das Publikum belehrend auf den richtigen Pfad zu führen und ein bisschen die Welt oder wenigstens das Klima zu retten, sondern schlicht: anständiges, gutes Musiktheater – und am Ende vielleicht sogar näher am Hier und Heute, als es beim ersten Draufblick scheint. Schließlich gibt es nach wie vor sozial randständige Künstler-WGs, und abzüglich der bösen Schwindsucht und der Tatsache, dass schneidend kalte Winter ausbleiben, können sich Konstellationen wie die im Pariser Intellektuellen-Rückzugskämmerlein auch im 21. Jahrhundert immer noch ergeben.
Nur am Schluss der Oper weichen Löschner und sein Team vom geradlinigen Verlauf der Geschichte ab. Mimì stirbt nicht im Zimmer, sondern macht mit der Metapher vom Loslassen ernst, entweicht ins Freie und bläst dort ihre brennende Kerze aus: Lucia, die Lichtbringerin (dass das ihr eigentlicher ...
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Opernwelt Dezember 2025
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Gerald Felber
Gefühlvoll Operettiges, das auch ans Sentimentale streifen darf, und ebensogut fetzige Tanzrevue-Nummern oder einprägsame Songs: Gerd Natschinskis Klänge garantieren zusammen mit dem Bühnengespür seines Librettisten Jo Schulz, dass dieser «Messeschlager Gisela» auch dramaturgisch gut funktioniert. Trotzdem feiern beide nach wie vor fast nur in ostnostalgischen...
Remembrance» hat Marcel Brunner sein Debütalbum genannt, das mit Blick auf die gegenwärtige Weltlage Lieder präsentiert, in denen die Schrecken der beiden Weltkriege reflektiert werden. Er erinnert dabei auch an den hochbegabten Rudi Stephan, der 27-jährig bereits im ersten Kriegswinter 1915 an der Front starb. Es sind «ernste Gesänge» in Anlehnung an Brahms’...
Georges Aperghis beteuerte gern, dass sich in seinen Gedanken beim Komponieren «immer so ein kleines imaginäres Theater» abspiele. So auch bei den Donaueschinger Musiktagen 2025, wo seine «Tell Tales» uraufgeführt wurden, eine Art virtuelles Musiktheater. Eine Viola und sechs Stimmen erzeugen darin eine Geschichte mit den Mitteln polyphoner Klanginterventionen –...
