Liebestod in der Zeitmaschine
«Tristan» ist in Italien, neben dem üblichen Verdi-Donizetti-Bellini-Rossini-Repertoire, ein eher selten gespieltes Werk. In Neapel war er zuletzt 1973 zu hören – Operngänger unter fünfzig, die nicht reisen, hatten ihn also noch nie auf der Bühne gesehen.
Aber selbst Heuler wie «Traviata», «Aida» oder der «Barbier von Sevilla» müssen, bei höchstens drei oder vier Neuinszenierungen in der Saison und einem winzigen Repertoire, unter Umständen Jahrzehnte auf die nächste Inszenierung warten – mit den großen Zeitabständen hängt sicher auch zusammen, dass die Neigung zu traditioneller, oft banaler Regie vorherrscht. Die Geschichte soll eben verständlich erzählt und nicht gedeutet werden. Umso mutiger, dass Intendant Gioacchino Lanza Tomasi, Sohn des «Gattopardo»-Autors Tomasi di Lampedusa, einen unkonventinellen Regisseur wählte: Lluis Pascal.
Dazu kam, dass der neue Opernchef Gary Bertini seine Visitenkarte auch mit der Werkwahl abgeben wollte. Die verheerende Kulturpolitik der gegenwärtigen Regierung verstärkt das alte Dilemma zwischen Budget-Zwängen, künstlerischem Ehrgeiz und gewerkschaftlichen Forderungen in den italienischen Opernhäusern. Manche sind am Rande des Bankrotts, die ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
«Rinaldo» gehört zu jenen Händel-Opern, die in den letzten Jahren erstaunlich oft auf der Bühne erschienen und von Christopher Hogwood und René Jacobs gleich zweimal hochkarätig eingespielt worden sind. Der ungeschnittene und daher störgeräusch-intensive Mitschnitt einer Aufführung der Göttinger Händel-Festspiele 2004 mit dem Concerto Köln unter Nicholas McGegan...
Von allen Werken Wagners bereitet der einst so populäre «Lohengrin» heute die größten Schwierigkeiten. Der Dichter-Komponist hat hier ein auseinander strebendes Bündel an Motiven – Liebesutopie, Künstlerdrama, politische Parabel, Mysterium über die Zweideutigkeit des Heiligen – zum Weltanschauungstheater zusammengepresst. Und der ideologische Missbrauch, bis hin...
Verzwickt ist diese Causa, von ridiküler Narretei nicht frei und durchaus typisch für das politisch problematische Verhältnis zweier Nationen zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Und am allerwenigsten die Protagonisten selbst waren es, die den Fall «Salomé» in jenen Bereich des Zwischenmenschlichen hinabzwängten, wo man sich nur noch eines wünscht: Fiat justitia,...
